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Forderungen der österreichischen Experten

 
Chronischer Schmerz

Die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG) hat gemeinsam mit zahlreichen österreichischen Fachvertretern einen Forderungskatalog formuliert, der Probleme und Herausforderungen in der momentanen Behandlung von chronischen Schmerzen aufdeckt und Empfehlungen für die Verbesserung der Versorgung gibt. Gemeinsam fordern die Experten:

Einheitliche Definition chronischer Schmerzen

  • Voraussetzung für die Erfassung valider Daten zum chronischen Schmerz ist eine einheitliche Definition.
  • Als chronischer Schmerz ist ein über drei Monate andauernder oder wiederkehrender Schmerz anzusehen.

Etablierung einer ICD-Codierung für den Schmerz

  • Derzeit fehlt ein eigener ICD-Code für den Schmerz, was die Dokumentation und die Datenerfassung erschwert.

Obligate Reevaluierung des Therapieerfolgs

  • Der Erfolg einer Schmerztherapie sollte spätestens nach drei Monaten evaluiert werden, um gegebenenfalls die Therapie anzupassen und bei ausbleibendem Therapieerfolg ein interdisziplinäres Management zu überlegen.

Klare Kriterien für eine interdisziplinäre Betreuung

  • Schmerzpatienten mit erhöhtem Chronifizierungsrisiko sollen so rasch wie möglich interdisziplinär betreut werden.
  • Als erhöht chronifizierungsgefährdet sind Patienten im Stadium II und III nach Gerbershagen zu betrachten. Bei Patienten im Stadium II ist eine interdisziplinäre Betreuung zu überlegen, bei Patienten im Stadium III ist sie obligat.

Umfassende Datenerhebung zur Situation in Österreich

  • Für eine zielführende Planung der zukünftigen Versorgungsstrukturen sind valide Daten zur Prävalenz chronischer Schmerzen in Österreich nötig, die große Studien liefern müssen. Hierzu wird finanzielle Unterstützung gebraucht.

Flächendeckende Versorgung mit schmerzmedizinischen Einrichtungen

  • Etablierung ambulanter Schmerzeinrichtungen, um den Spitalsbereich zu entlasten.
  • Honorierung schmerzmedizinischer Leistungen: Derzeit werden aufwändigere schmerzmedizinische Leistungen im niedergelassenen Bereich nicht von den Krankenkassen vergütet. Hier müssen entsprechende Positionen geschaffen werden.

Verbesserte Aus- und Weiterbildung für Ärzte

  • Einführung einer verpflichtenden Prüfung über das Lehrfach „Chronischer Schmerz“ zur Festigung des erworbenen Wissens. Derzeit ist nur die Teilnahme an diesem Lehrfach erforderlich.
  • Schaffung von Anreizen zur Absolvierung weiterführender schmerzmedizinischer Ausbildungen, wie des ersten europäischen postgraduellen Universitätslehrgangs „Interdisziplinäre Schmerzmedizin“ bzw. des österreichischen „Schmerzdiploms“ der Ärztekammer für Allgemeinmediziner und Fachärzte. Derzeit sind nur rund 550 Ärzte Österreichs im Besitz des Schmerzdiploms.

Sensibilisierung der Politik für das Thema chronischer Schmerz

  • Schaffung eines Bewusstseins für das Thema innerhalb der politischen Landschaft Österreichs mit dem Ziel der Unterstützung durch politische Entscheidungsträger.

Verbesserte interdisziplinäre Zusammenarbeit

  • Austausch von Informationen über das Angebot der anderen Fachrichtungen.
  • Schaffung interdisziplinärer Schmerzteams analog zu den Tumorboards.
  • Gemeinsame Veranstaltungen schmerzmedizinisch tätiger Fachgesellschaften im Rahmen von Jahrestagungen.
  • Schaffung von interdisziplinären Zentren.
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