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Augenerkrankungen

 Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Wer kann an einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) leiden?

Meistens Menschen ab dem 50. Lebensjahr.

Haben viele Menschen eine AMD?

Mit zunehmendem Alter wird die Zahl der Erkrankten immer mehr. In der Altersgruppe zwischen 50 und 60 ist die Häufigkeit des Auftretens ca. 5 %. Menschen, die 80 oder älter sind, haben eine Wahrscheinlichkeit von 30 %, an der AMD zu erkranken.

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen fortgeschrittenen Alters, vor allem Frauen.

Wovon hängt es ab, ob ich die Krankheit bekommen kann?

Zwei Faktoren sind besonders ausschlaggebend: das Alter und die genetische Veranlagung. Gibt es weitere Risikofaktoren für die Krankheit? Ja, das Rauchen stellt einen Risikofaktor dar. Ein hoher Blutdruck kann auch das Auftreten der Erkrankung fördern.

Woran merkt man die AMD?

Die Symptome sind unterschiedlich. Zumeist bemerken die Patienten einen zentralen Fleck im Sichtfeld, zum Beispiel beim Lesen. Verzerrte bzw. verbogene Linien oder Wörter werden auch manchmal wahrgenommen. Das fehlende Erkennen von Gesichtern kann auch typisch sein.

Wodurch entsteht die Erkrankung?

Aufgrund von Störungen an der Unterlage der Netzhaut, dem sog. Pigmentepithel, kommt es zu einem mangelnden Abtransport von Stoffwechselprodukten aus den darüber liegenden Sinneszellen. Das ist vergleichbar mit einer nicht funktionierenden Müllabfuhr. Dies führt zur Bildung von Ablagerungen (sog. Drusen). Als Folge können dann entweder ausgestanzte Narben oder Gefäßwucherungen auftreten.

Sind alle Formen der AMD gleich?

Nein, es gibt eine sogenannte trockene und eine feuchte Form der Erkrankung. Bei der trockenen Form lösen sich die Ablagerungen auf, aber gleichzeitig verschwinden die darüber liegenden Netzhautschichten. Es entsteht eine ausgestanzte Narbe, eine sogenannte Atrophie. Diese Form haben 80 % aller Patienten. Das Sehen wird bei der trockenen AMD langsam schlechter.

Bei der feuchten Form der Krankheit kommt es zu einer Entzündungsreaktion aufgrund der Ablagerungen an der Netzhautunterlage. Der Körper reagiert darauf mit der Bildung von kleinen Gefäßwucherungen. Diese Gefäßwucherungen gehen von der Unterlage der Netzhaut aus und breiten sich unterhalb der Netzhaut weiter aus. Es können Blutungen, Schwellungen und ein Flüssigkeitsaustritt aus der Gefäßwucherung entstehen. Unbehandelt führt die feuchte Form zu einer großen Narbenbildung. Diese Art der Krankheit tritt bei 20 % aller Patienten auf und führt häufig zu einem plötzlichen, drastischen Verlust der Sehleistung.

Welche Untersuchungen sind bei der AMD wichtig?

Die wichtigste Maßnahme ist eine umfassende Untersuchung durch den Augenarzt. Hierzu gehört neben der Überprüfung der Sehschärfe auch eine Spiegelung des Augenhintergrunds bei erweiterter Pupille. Falls der Facharzt die Notwendigkeit für weitere Untersuchungen sieht, wird der Patient dann in ein Spital oder in eine Schwerpunktordination überwiesen. Dort werden, je nach Notwendigkeit, weitere Tests gemacht. Zum Beispiel eine Gefäßdarstellung der Netzhaut mit einem in die Vene verabreichten Farbstoff (sogenannte Fluoreszenzangiographie) oder eine Darstellung der Netzhaut im Querschnitt mittels Lasertechnologie (optische Kohärenztomographie).

Warum ist die frühe Diagnose wichtig?

Je früher man die Krankheit entdeckt, umso wahrscheinlicher ist eine erfolgreiche Therapie möglich.

Werde ich blind?

Nein, im schlimmsten Fall entsteht ein zentraler Fleck, durch den man nicht durchsehen kann, die Peripherie der Netzhaut ist aber nicht betroffen, sodass man sein Umgebungssehen behält.

Kann man die AMD behandeln?

Die trockene Form kann nicht behandelt werden, die feuchte Form schon.

Behandlung der feuchten Form der AMD:

Eine Behandlung mit Substanzen, die gezielt das Auftreten und Weiterwachsen der Gefäßwucherung hemmen, sogenannte antiangiogenetische Mittel, ist die Therapie der ersten Wahl. Diese Medikamente werden in den Glaskörper des Auges verabreicht. Eine derartige Therapie wird meistens in gewissen Abständen wiederholt. Sie kann zu einer Verbesserung oder zumindest zu einer Stabilisierung der Sehleistung führen.
Eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist die photodynamische Therapie. Bei dieser Behandlung wird eine Infusion mit einem speziellen Medikament verabreicht und das erkrankte Auge anschließend mit einem speziellen Laser bestrahlt. Dies führt zu einer Aktivierung des Medikaments und zu einer Verödung der Gefäßwucherung. Diese Therapie zielt vor allem auf die Stabilisierung der Sehleistung ab. Ca. 20 % aller Patienten werden aber trotz Therapie in ihrer Sehleistung schlechter.

Was kann ich zur Vorbeugung tun?

Die wichtigste Maßnahme ist eine regelmäßige Untersuchung beim Augenfacharzt. Patienten, die gewisse Frühformen der altersbedingten Makuladegeneration haben, können durch die Einnahme spezieller Vitaminkombinationen das Fortschreiten der Krankheit bremsen.
 
Verfasser: Priv. Doz. Dr. Erdem Ergun, Augenabteilung, Krankenanstalt Sanatorium Hera

Glaukom - Grüner Star

Das Glaukom ist - trotz zunehmender Bemühung um Aufklärung und Vorbeugung, so wie besserer Behandlungsmöglichkeiten - weltweit immer noch eine der häufigsten Erblindungsursachen.

Beim Glaukom handelt es sich um eine Gruppe von Augenerkrankungen die häufig, aber nicht immer mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergehen. Die Erkrankung wird im Gegensatz zu früher heute ausschließlich durch die typischen Veränderungen am Sehnervenkopf (Papille) definiert. Der Glaukomschaden ist durch Verlust von Nervenzellen der Netzhaut mit ihren Nervenfasern, welche den Sehnerv bilden, gekennzeichnet. Die Folge dieses Nervenfaserverlustes sind Ausfälle im Gesichtsfeld, die anfänglich aber nicht bemerkt werden. Somit ist die Veränderung am Sehnervenkopf der organische Schaden, der Gesichtsfelddefekt ist das wichtigste Symptom für die Erkrankten und der erhöhte Augeninnendruck der bedeutendste Risikofaktor. Da die morphologischen (= organischen) und funktionellen Schäden nicht mehr wieder gut zu machen sind, ist die Früherkennung einer Glaukomerkrankung deshalb von großer Bedeutung. Weder die zugrunde gegangenen Nervenfasern, noch der erworbene Gesichtsfelddefekt ist reparabel. Bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist eine Verschlechterung der Lebensqualität für den Erkrankten meist zu verhindern.

Diese Webseite bietet einen kurzen Überblick über die verschiedenen Glaukomformen und deren Entstehung, über Risikofaktoren, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten.

Haben viele Menschen einen "Grünen Star"?

Es gibt keine zuverlässigen Zahlen, Schätzungen nach gibt es weltweit etwa 70 Millionen Glaukompatienten, wobei die Hälfte dieser Patienten nicht als solche diagnostiziert ist.
Das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken, steigt mit zunehmendem Lebensalter. Weltweit ist insgesamt nahezu 1 % aller Menschen am Glaukom erkrankt, bei den 50-Jährigen 3 % und bei den 70-Jährigen bereits 7 %.

Was versteht man unter "Grünem Star" und "erhöhtem Augeninnendruck"?

Glaukom, der "Grüne Star"

Unter Glaukom wird eine Gruppe von Augenkrankheiten verstanden, die durch eine Schädigung von Nervenzellen der Netzhaut (Retina) und des Sehnerven gekennzeichnet ist. Diese Erkrankung geht oft mit einem erhöhten Augeninnendruck einher. Neben erhöhten Augeninnendruckwerten spielen aber offenbar auch andere Faktoren, wie etwa eine schlechte Durchblutung des Sehnerven, bei der Entstehung des Glaukoms eine wichtige Rolle. Die Folge sind in jedem Fall typische Gesichtsfelddefekte, welche auch zum charakteristischen Schadensmuster am Sehnervenkopf passen. Der Krankheitsbeginn ist praktisch immer unbemerkt. Aber auch die langsam chronische Verschlechterung des Gesichtsfeldes wird, weil das zentrale Sehvermögen lange Zeit unbeeinträchtigt bleibt, vom Erkrankten jahrelang nicht bemerkt. Wenn ein Patient erst auf Grund eines selbst festgestellten Glaukomschadens zum Augenarzt geht, bestehen in der Regel schon hochgradige krankhafte Veränderungen. Die Prognose ist umso schlechter, je später die Diagnose gestellt wird. Mit einer konsequenten Therapie und regelmäßigen Kontrollen kann der Krankheitsverlauf verzögert, oder gar zum Stillstand gebracht werden.

Erhöhter Augeninnendruck

Dieser kann eine Vorstufe zur Glaukomerkrankung sein und ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms. Der Augeninnendruck liegt beim Gesunden zwischen 10 und 21 Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg). Er kann innerhalb dieses Rahmens und innerhalb von 24 Stunden um bis zu 5 mm Hg schwanken. Es gibt keine absolute Grenze, welche den "gesunden" vom "kranken" Druckbereich trennt. Einerseits entwickeln nicht alle Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck (mehr als 21 mm Hg) den "grünen Star" und andererseits haben leider manche Menschen bei statistisch gesehen "normalem" Augeninnendruck ein Glaukom. Daher muss bei jedem Patienten sein individuell "sicherer Augeninnendruckbereich" (Zieldruck) definiert und als Behandlungsziel festgelegt werden. Um Messfehler auszuschalten, sollte einmal eine Vermessung der Hornhautdicke (Pachymetrie) durchgeführt werden.

Welche unterschiedlichen Formen des Glaukoms gibt es?

Es gibt unzählige Möglichkeiten, die verschiedenen Glaukomformen einzuteilen. Prinzipiell sind primäre von sekundären Glaukomformen zu unterscheiden. Die primären Glaukome entstehen ohne erkennbare Ursache. Die sekundären Formen liegen aufgrund anderer Veränderungen vor (z. B. nach Entzündungen,Verletzungen, anderen Augenerkrankungen, medikamentös bedingt, seltenen Systemerkrankungen usw.). Eine andere Einteilung basiert auf dem Erscheinungsbild des Kammerwinkels (Offenwinkel / Engwinkel / Winkelblock).

In Europa ist die häufigste Form das primäre chronische Offenwinkelglaukom (POWG, lateinische Bezeichnung: Glaucoma chronicum simplex) und wird aus historischen Gründen eingeteilt in:

a) POWG bei erhöhtem Augeninnendruck (= Hochdruckglaukom). Es handelt sich um das chronische Offenwinkelglaukom im engeren Sinne und ist charakterisiert durch einen schleichenden Nervenzelluntergang und entsprechenden Gesichtsfeldausfällen bei erhöhtem Augeninnendruck (IOD). Offenwinkelglaukom heißt, der Augenarzt sieht bei der Untersuchung einen offenen Kammerwinkel, also nichts, was den Abfluss des Kammerwassers behindern könnte, und trotzdem steigt der Augeninnendruck an. Ursache dafür ist die Zunahme des Abflusswiderstandes z. B. durch eine zunehmende Substanzablagerung und Elastizitätsverminderung im Bereich des Trabekelwerks. Warum es zu diesen Veränderungen kommt, ist derzeit noch nicht bekannt und Gegenstand aktueller Forschung.

b) Normaldruckglaukom: Gewisse Menschen scheinen empfindlicher auf noch als "normal" geltende Augeninnendruckwerte zu reagieren. Das Normaldruckglaukom ist durch die typischen Veränderungen des Sehnervenkopfes und im Gesichtsfeld aber bei Augeninnendruckwerten, die immer im Normbereich liegen, charakterisiert. Verschiedenste Arten der Durchblutungsstörung tragen besonders zur Entwicklung dieser Glaukomform bei (siehe Risikofaktoren).

c) Wenn der Augeninnendruck den - rein statistisch festgelegten - Grenzwert von 21 mm Hg übersteigt, aber noch keine druckbedingte Schädigung des Sehnerven sichtbar ist und das Gesichtsfeld intakt ist, liegt eine sog. okuläre Hypertension vor. Definitionsgemäß ist dies kein Glaukom.

Eine seltenere Form ist das primäre Winkelblockglaukom, bei dem es zu einer teilweisen Abflussbehinderung oder vollkommenen Blockierung des Kammerwasserabflusses im Kammerwinkel kommt. Bei den primären Winkelblockglaukomen liegt meist eine sehr deutliche Drucksteigerung vor, die anfallsartig auftreten kann (akutes Winkelblockglaukom).Gefährdeter für einen Anfall ist ein weitsichtiges Auge, weil dessen Augapfel kürzer gebaut ist und damit engere Verhältnisse im Augeninneren und ein enger Kammerwinkel bestehen. Zum anderen können auch ältere Patienten, bei denen die altersbedingte Linsendickenzunahme ähnlich enge Verhältnisse schafft, eher einen Glaukomanfall bekommen. Diese Veränderungen der anatomischen Strukturen am Auge erhöhen auch das Risiko, bei Erweiterung der Pupille einen solchen Anfall zu bekommen. Bei längerem Bestehen eines solcher Art bedingten, erhöhten Augeninnendrucks spricht man von einem chronischen Winkelblockglaukom. Bei genauer Untersuchung kann der Augenarzt die typischen Verklebungen im Kammerwinkel feststellen.

Ein Glaukomanfall - das heißt der anfallsartige Augeninnendruckanstieg - äußert sich unter anderem meist durch folgende Symptome: leichtes Druckgefühl bis heftige Schmerzen am betroffenen Auge und dessen Umgebung, Sehverschlechterung, Verschwommensehen, das Sehen von Farbringen um Lichtquellen und Kopfschmerzen. Es können aber auch Beschwerden, die nicht unmittelbar einen Zusammenhang mit einer akuten Augenerkrankung vermuten lassen, im Vordergrund stehen (z. B. Übelkeit, Erbrechen). Eine unverzügliche augenärztliche Behandlung ist angezeigt, da das Augenlicht akut bedroht ist. Als Winkelblockdisposition bezeichnet man jene Situation, bei der zwar die anatomischen Gegebenheiten für einen Winkelblock vorliegen, der Augeninnendruck normal oder erhöht sein kann, der Sehnervenkopf und die Netzhautnervenfasern aber noch unauffällig sind.

Das primäre angeborene Glaukom ist durch eine ungenügende Reifung des Kammerwinkels bzw. des Trabekelwerkes während der Embryonalentwicklung gekennzeichnet. Der daraus resultierende gestörte Kammerwasserabfluss bei normaler Produktion des Kammerwassers führt zu einem Anstieg des Augeninnendruckes. Neben der druckbedingten Sehnervenschädigung kommt es beim Säugling wegen der noch bestehenden Dehnbarkeit des Gewebes auch zu einer Vergrößerung des Auges. Meist ist eine drucksenkende Operation notwendig, um den Kammerwasserabfluss zu erleichtern und den Augeninnendruck zu senken.

Außerdem gibt es eine Reihe von sekundären (erworbenen) Glaukomen, bei denen es als Folge oder Komplikation von anderen Augen- oder Systemerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gefäßverschlüssen, Verletzungen oder auch Entzündungen zu einer Behinderung des Kammerwasserabflusses kommt (sekundäres Winkelblockglaukom). Steigt der Augeninnendruck in Folge einer anderen Augenerkrankung bei offenem Kammerwinkel, spricht man von einem sekundären Offenwinkelglaukom. Ursache dafür kann die Ablagerung von abnormen Eiweißverbindungen (Pseudoexfoliationsglaukom, kurz: PEX - oder Kapselhäutchenglaukom) oder Pigmentzellen (Pigmentdispersionsglaukom) im Kammerwinkel sein. Die lokale, aber auch systemische Anwendung von Steroiden (entzündungshemmende, cortisonhaltige Tropfen und Salben) kann zu einer Augendrucksteigerung führen. Steroide fördern die Bildung von Substanzen (u. a. Mukopolysaccharide und Proteine), die ebenfalls das Trabekelwerk verlegen können. Oft sinkt der Augendruck aber nach Beendigung der Therapie wieder. Ob es unter Steroidtherapie zu einer Drucksteigerung kommt, kann genetisch festgelegt sein. In jedem Fall sind Patienten, die bereits am Glaukom erkrankt sind, besonders gefährdet, bei der Cortisontherapie mit einer Augeninnendrucksteigerung zu reagieren.

Wie entsteht ein Glaukom?

In den meisten Fällen ist ein erhöhter Augeninnendruck für den typischen Schaden am Sehnervenkopf und die in weiterer Folge auftretenden Gesichtfelddefekte verantwortlich. Bei manchen Patienten spielt auch die schlechte Durchblutung eine wichtige Rolle.

Wer ist besonders gefährdet / Risikofaktoren?

Erhöhter Augendruck ist ein sehr wichtiger, aber nicht der einzige Risikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms. Es gibt zahlreiche weitere Faktoren, die einerseits zu einer Steigerung des Augendruckes beitragen und andererseits direkt an der Entstehung des Glaukomschadens des Sehnerven beteiligt sind.

Risikofaktoren sind:

  • Wie ein erhöhter Augeninnendruck zur Schädigung des Sehnervs führt, ist noch nicht genau geklärt. Man vermutet einerseits eine direkte, druckbedingte Schädigung des Sehnervs, andererseits dürfte der erhöhte Augendruck auch indirekt die Durchblutung des Sehnervs beeinträchtigen.
  • Ältere Leute haben ein deutlich erhöhtes Risiko, diese Augenerkrankung zu entwickeln. Es sollten daher regelmäßige (einmal jährlich) augenärztliche Kontrollen ab dem 40. Lebensjahr erfolgen. Dennoch ist zu bedenken, dass jeder Mensch, unabhängig vom Alter, an einem Glaukom erkranken kann.
  • Es besteht manchmal eine erbliche Veranlagung zum "grünen Star". Glaukomerkrankungen treten familiär gehäuft auf, insbesondere wenn es sich um Verwandte ersten Grades handelt (also Eltern oder Geschwister). Bei familiärer Belastung sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen ratsam.
  • Seit langem besteht Grund zur Annahme, dass auch Durchblutungsstörungen des Sehnervs an der Entwicklung des Glaukoms beteiligt sind. Es konnte gezeigt werden, dass die Durchblutung des Sehnervs beim Glaukompatienten vermindert ist, was auf eine Fehlregulation der Blutgefäße zurückzuführen sein dürfte.

Woran erkennt man den "Grünen Star"?

Der Glaukompatient hat lange Zeit keine Beschwerden. Typischerweise kommt es mit fortschreitendem Krankheitsverlauf zu einer Einengung des Gesichtsfeldes, also zu von außen nach innen fortschreitenden Gesichtsfeldausfällen. Diese Gesichtsfeldeinschränkungen entwickeln sich sehr langsam und vor allem ohne eine Verringerung des Sehvermögens.
Daher bleibt es der Routineuntersuchung des Augenarztes vorbehalten, ein Glaukom zu diagnostizieren, wo rechtzeitig anhand von typischen Veränderungen des Sehnervs, Gesichtsfelddefekten und nicht zuletzt an der Augeninnendruckerhöhung eine Glaukomerkrankung festgestellt werden kann.

Das Winkelblockglaukom ist in den meisten Fällen durch plötzlich auftretende starke Augenschmerzen gekennzeichnet und bedarf sofortiger ärztlicher Behandlung. Auch die Winkelblockdisposition erfordert meist eine Behandlung.

Welche Untersuchungen sind beim "Grünen Star" erforderlich?

Die augenärztliche Untersuchung wird mit der Erstellung einer Anamnese zur Erfassung von zusätzlich relevanten Risikofaktoren beginnen.

Zur Diagnose eines Glaukoms stehen dem Arzt mehrere Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Augeninnendruckmessung (Tonometrie)
  • Beurteilung des Augenhintergrundes und des Sehnervs (Ophthalmoskopie)  
  • Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)
  • Beurteilung des Kammerwinkels (Gonioskopie)
  • quantitative Beurteilung des Sehnervs und der Nervenfasern der Netzhaut (Laser-Scanning-Tomographie / Polarimetrie)

Die Messung des Augeninnendruckes erfolgt mittels Tonometer (Augendruckmessgerät). Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur ein paar Sekunden.

Bei der Ophthalmoskopie kann mit Hilfe einer starken Lupe / Linse, welche direkt vor das Auge gehalten wird, der Augenhintergrund untersucht werden. Insbesondere wird der Sehnervenkopf, die sogenannte Papille, nach Aussehen und Farbe im Seitenvergleich beurteilt. Die Untersuchung des Sehnerven ermöglicht dem Augenarzt die Beurteilung, ob bereits ein Sehnervenschaden erkennbar ist. Häufig zeigen sich hier schon Veränderungen, bevor Auswirkungen auf das Gesichtsfeld erfassbar sind.

Der Erhebung des Gesichtsfeldes mittels Perimeter kommt beim Glaukom eine besondere Bedeutung zu, da die Sehnervenbeurteilung keine sicheren Rückschlüsse auf die Sehfunktion des Patienten erlaubt. Das Gesichtsfeld ist der Bereich, der mit einem Auge ohne Augenbewegungen erfasst werden kann. Bei der Glaukomerkrankung wird dieser Bereich zunehmend eingeschränkt und es kommt zu für Glaukom typischen Gesichtsfeldausfällen. Die Gesichtsfelduntersuchung wird für jedes Auge einzeln voll automatisch mit Hilfe eines Computers durchgeführt und dauert je nach Aufwand zwischen fünf und fünfzehn Minuten.

Die Untersuchung des Kammerwinkels (Gonioskopie) ermöglicht die Beurteilung der Weite und des Zustandes des Abflussbereiches. Abflusshindernisse wie Verwachsungen, Pigmentablagerungen und Gefäßeinsprossungen können somit erkannt werden.

Eine exakte objektive Dokumentation der Sehnervenkopfveränderungen kann mit Laser-Scanning-Tomographie mittels Heidelberg-Retina-Tomographen (HRT) durchgeführt werden. Die dreidimensionale Darstellung ermöglicht eine objektive Verlaufskontrolle der Veränderungen im Sehnervenkopf. Immerhin ist die dabei vermessene Fläche nur 1,5 bis 3 mm² groß. Die Untersuchung mit dem HRT ist schmerzfrei, kann ohne Pupillenerweiterung durchgeführt werden und dauert etwa zwei Minuten. Nach demselben Prinzip kann auch die Nervenfaserschichtdicke der Netzhaut untersucht werden, welche mittels Laser-Scanning- Polarimetrie erfolgt. Auch dabei können glaukombedingte Veränderungen im Auge optimal dokumentiert und kontrolliert werden. Als neueste Methode steht die sogenannte "Optice Coherence Tomography" zur Verfügung.

Warum ist die frühe Diagnose so wichtig?

Glaukome werden von den Betroffenen selbst meist über einen langen Zeitraum nicht wahrgenommen. Unbehandelt führt ein Glaukom durch zunehmende Schädigung des Sehnerven zur Erblindung.
Im Frühstadium der Erkrankung bleibt die Sehfunktion oft noch erstaunlich gut erhalten. Schreitet der Schaden weiter voran, kommt es zu ausgeprägten Gesichtsfeldausfällen. Wenn der Patient erste Gesichtsfeldausfälle bemerkt, ist die Erkrankung meistens schon sehr weit fortgeschritten. Entscheidend ist das frühe Erkennen und Behandeln eines Glaukoms, da bereits bestehende Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
Je nach Form und Stadium der Erkrankung wird der "grüne Star" zuerst mit Augentropfen behandelt. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikation. In bestimmten Fällen kann eine Laserbehandlung oder ein operativer Eingriff notwendig werden. In jedem Fall muss der Therapieerfolg in regelmäßigen Abständen durch Augeninnendruckmessungen, Gesichtsfeld- und Augenhintergrunduntersuchungen kontrolliert werden.
 
Verfasser: OA Dr. Anton Hommer, Augenabteilung des Sanatoriums "Hera", Wien








Hinweis: Dieser Text dient zu Ihrer allgemeinen Information. Bitte stellen Sie keinesfalls selbst eine Diagnose, sondern suchen Sie, wenn Sie Fragen oder Beschwerden haben, einen Arzt auf. Nur er kann die Symptome aufgrund seiner klinischen Erfahrung richtig einschätzen und gegebenenfalls weitere diagnostische Schritte unternehmen.

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