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Infektionskrankheiten / Übersicht
Infektionskrankheiten
Infektionskrankheiten sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Diese Erkrankungen werden durch mikroskopisch kleine Organismen wie Viren oder Bakterien hervorgerufen. Infektionskrankheiten reichen vom einfachen Schnupfen über Ohreninfektionen bis hin zu lebensbedrohenden Infektionen wie Hepatitis oder Lungenentzündung.
Von Bakterien verursachte Erkrankungen können mit unterschiedlichen Antibiotika behandelt werden. Die Wirksamkeit von Antibiotika bei der Behandlung bakterieller Infektionen wird jedoch immer schwieriger, da diese Keime Resistenzen gegen Medikamente entwickeln können. Die zunehmende geografische Mobilität hat das ihre dazu beigetragen, das Potenzial für die weltweite Verteilung von resistenten Organismen zu erhöhen.
Die klinische Folge ist ein Therapieversagen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen beinhalten einen verlängerten Krankenhausaufenthalt und die Gabe von Alternativmedikamenten, die entweder teurer bzw. mit mehr Nebenwirkungen behaftet sind.
Pilzinfektionen
Was sind Pilze?
Pilze sind höher entwickelte Lebewesen als Bakterien. Wie Pflanzen und Tiere bilden sie ein viele 100.000 Arten umfassendes eigenes Reich. Fast überall in der Natur leben Pilze. Einige Arten besiedeln auch den Menschen, vor allem den Darm, ohne jedoch Krankheiten zu verursachen.
Erst durch massenhafte Vermehrung werden sie zur Gefahr. Wenn Pilze wachsen, bilden sie ein dichtes, zusammenhängendes Geflecht, das sogenannte Pilzmycel. Bei ihrer Fortpflanzung produzieren sie meist Sporen, die sehr widerstandsfähig sind und auch in ungünstiger Umgebung überleben können. Dadurch bleiben Pilze lange Zeit infektiös und müssen entsprechend ausdauernd behandelt werden. Generell lieben sie feuchte und warme Umgebungen.
Ursachen von Pilzinfektionen
Unkomplizierte Pilzinfektionen von Haut und Schleimhaut sind häufig und kommen in jedem Alter vor. Bevorzugte Stellen für Pilzinfektionen sind die Haut zwischen Zehen und Fingern, ebenso die Leistenhaut, Nagel, Mundschleimhaut und der Vaginalbereich.
Prinzipiell können Pilzinfektionen aber im ganzen Köper auftreten. Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. bei Diabetes, AIDS-Patienten, während einer Chemotherapie) sind besonders durch Pilzinfektionen gefährdet. Bei ihnen können Infektionen innerer Organe, des gesamten Verdauungs- und Atemtraktes oder auch des Gehirns auftreten. Auch generalisierte Infektionen des gesamten Organismus sind möglich.
Hautinfektionen werden durch sogenannte Dermatophyten (gehören zu den Fadenpilzen) verursacht, Infektionen der Schleimhäute eher durch Sprosspilze (Hefen). Beim immungeschwächten Patienten sind auch Infektionen mit Schimmelpilzen möglich.
Die Übertragung von Fadenpilzen erfolgt meist von Mensch zu Mensch, vor allem beim Barfußlaufen in öffentlichen Badeanstalten. Die Erreger bevorzugen für ihr Wachstum die feuchte Haut, deshalb sind Infektionen der Füße - speziell der Zehenzwischenräume - am weitesten verbreitet. Auch im Rahmen einer Antibiotikatherapie kommt es vermehrt zu Pilzinfektionen, da die Erreger nicht mehr durch ortsständige Bakterien in ihrem Wachstum behindert werden.
Beschwerden
Leitsymptome bei Pilzinfektionen sind Schuppung, Rötung und Juckreiz der betroffenen Hautstelle. Im Zehenzwischenraum kann die obere Hautschicht weißlich aufgequollen sein. Infektionen der Nägel an Hand und Fuß führen zu bräunlichen Verfärbungen und können unbehandelt erhebliche Zerstörungen der Nagelstruktur nach sich ziehen. An den Schleimhäuten breitet sich oft der Hefepilz Candida albicans aus (Soor). Auch hier stehen Rötung und Juckreiz der befallenen Stelle im Vordergrund. Weißliche, abwischbare Beläge weisen auf den Erreger hin. Ist die Mundschleimhaut befallen, bestehen zusätzlich Trockenheitsgefühl und Geschmacksstörungen. Vaginalpilze können Brennen, Ausfluss und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursachen.
Ein Befall innerer Organe und generalisierte Infektionen des gesamten Körpers kommen fast nur bei Menschen mit einer schweren Begleiterkrankung vor. Dann können Pilze jedoch schwere Krankheitszeichen mit hohem Fieber, Müdigkeit und Kreislaufproblemen auslösen und zu starken Organschäden führen.
Diagnose
Infektionen der Haut werden an ihrer typischen Lokalisation und am charakteristischen Aussehen erkannt. Der Arzt hat aufgrund ihres häufigen Vorkommens meist große Erfahrung mit Pilzinfektionen und kann eine Blickdiagnose stellen. Falls Zweifel bestehen, wird eine Probe der befallenen Haut bzw. des Nagels im Labor untersucht und der Erreger genau bestimmt. Bei Infektionen der Schleimhäute wird ein Abstrich gemacht und unter dem Mikroskop auf Pilze untersucht. Besteht der Verdacht auf Befall innerer Organe oder des Atem- oder Darmtraktes, können aufwändigere Untersuchungen wie Endoskopie oder bildgebende Verfahren erforderlich sein, um zur Diagnose zu kommen.
Pilzinfektionen werden mit so genannten Antimykotika behandelt. Diese Wirkstoffe sind für Pilze schädlich, ohne für den Menschen giftig zu sein. Je nach Schwere der Erkrankung, der Lokalisation und des Erregertyps werden unterschiedliche Substanzen in geeigneter Darreichungsform eingesetzt.
Unkomplizierte Hautinfektionen können mit Salben, Tinkturen, Gels, Pasten oder Puder von außen behandelt werden. Wenn die lokale Therapie keine Wirkung zeigt, werden Antimykotika auch in oraler Form verabreicht. Sie wirken dann "von innen" auf den Erreger ein und erreichen auch schwer zugängliche Stellen, wie etwa das Nagelbett oder tiefer gelegene Schleimhäute.
Infektionen des Nagels machen oft lang andauernde Therapien notwendig. Insbesondere beim langsam wachsenden Fußnagel kann die Behandlung manchmal viele Monate andauern. Auch wenn keine Krankheitszeichen mehr zu sehen sind, können Pilzsporen in der Haut überleben und zu einem erneuten Aufflammen der Infektion führen. Halten Sie sich daher an die Vorgaben Ihres Arztes und wenden Sie die Medikamente wie verschrieben bis zum Ende an.
Vaginalpilze werden entweder mit tief in die Scheide eingeführten Vaginaltabletten oder Ovula therapiert. An der äußeren Scheide auftretende Infektionen werden mit antimykotischen Salben behandelt. Eine wirksame Alternative zu diesen Behandlungsarten besteht in der Möglichkeit, das Wachstum des Pilzes mittels oraler Therapie einzudämmen. Bei besonders hartnäckigen vaginalen Pilzinfektionen kann eine Mitbehandlung des Partners erwogen werden.
Auch für Pilzinfektionen des Mundes existieren Antimykotika in geeigneter Form (Lösungen, Lutschtabletten, Mundgels, bei Lippenbeteiligung auch Cremes). Auch hier wird bei Versagen der lokalen Therapie oder bei schlechter Abwehrlage des Patienten auf eine Behandlung mit Tabletten umgestellt.
Um andere vor der Infektion zu schützen, sollten Menschen mit Pilzerkrankungen in öffentlichen Badeanstalten und im gemeinsam genutzten Badezimmer nicht barfuß gehen. Möglicherweise mit Pilzsporen verunreinigte Kleidungsstücke (Strümpfe, Schuhe, Handtücher) sollten regelmäßig desinfiziert und nicht mit anderen geteilt werden. Beim Waschen ist ab einer Temperatur von 60 Grad mit einem Absterben der Pilzsporen zu rechnen.
Bakterielle Infektionen
Bakterien sind einzellige Kleinstlebewesen, die praktisch überall in der Natur vorkommen. Von den vielen Millionen Bakterienarten sind aber nur sehr wenige für den Menschen gefährlich. Normalerweise leben Bakterien und Mensch friedlich zusammen.
An der Körperoberfläche sorgt der natürliche Bakterienbewuchs dafür, dass Krankheitserreger wie Pilze sich dort nicht vermehren können, im Darm helfen Bakterien als sogenannte Darmflora bei der Verdauung mit.
Als Krankheitserreger haben manche Bakterienarten jedoch besondere Fähigkeiten entwickelt, um der Immunabwehr zu entgehen und können sich so massenhaft im Körper vermehren. Manche Bakterien produzieren auch Giftstoffe, die für den Menschen gefährlich sein können. Bei einer bakteriellen Infektion haben die Keime die Oberhand gewonnen und schädigen die Zellen an der infizierten Stelle. Bakterielle Infektionen können in jedem Schweregrad alle Organe des Menschen betreffen, das Spektrum reicht von einer unkomplizierten Infektion einer kleinen Hautwunde bis zu schwerwiegenden akut oder chronisch verlaufenden Erkrankungen.
Erst infolge der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 konnten medizinische Wirkstoffe entwickelt werden, die viele gefährliche Infektionen erfolgreich bekämpfen. Mittlerweile stehen dem großen Heer der Krankheitserreger ein Arsenal hochwirksamer Antibiotika gegenüber. Dazu hat Pfizer von Beginn an mit innovativen Forschungsleistungen beigetragen, wie als weltgrößter Hersteller von Penicillin während des zweiten Weltkriegs.
In der Behandlung von Infektionskrankheiten ist die medizinische Forschung auch heute noch gefordert, denn die krankheitserregenden Mikroorganismen sind evolutionär sehr anpassungsfähig und entwickeln mit der Zeit gegen viele Medikamente Resistenzen. Die therapeutischen Vorteile können nur durch neue Wirkstoffe aufrechterhalten werden. Durch seine großen Investitionen in Forschung und Entwicklung leistet Pfizer heute wie damals einen wichtigen Beitrag zur wirksamen Behandlung von Infektionskrankheiten.
In Zusammenarbeit mit Netcare Medizinverlag
Infektionen Atemwege
Pharyngitis, Bronchitis, Pneumonie (Infektionen der Atemwege)
Die oberen Atemwege Rachen und Bronchien sind häufig der Ort von bakteriellen Infektionen. Die Schleimhaut schwillt an den betroffenen Stellen an, ist gerötet und sondert Schleim ab. Prinzipiell treten Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich in jedem Lebensalter auf, bei Kindern jedoch etwas öfter. In der kalten Jahreszeit sind die Infekte etwas häufiger.
Ursachen
Meist stehen bakterielle Infektionen im Bereich der Atemwege im Zusammenhang mit einer Erkältungskrankheit oder einer Grippe. Auf der durch die häufig virale Infektion vorgeschädigten Schleimhaut vermehren sich leicht Bakterien und verschlimmern so das Krankheitsbild. Wenn sich die Infektion ausbreitet, können mehrere Regionen betroffen sein: Ein anfänglicher Schnupfen kann so in eine Rachenentzündung (Pharyngitis) übergehen, diese in eine Bronchitis, Mittelohrentzündung (Otitis media) oder Lungenentzündung (Pneumonie). Die Hälfte aller Lungenentzündungen ist auf die Bakterienart Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) zurückzuführen. Auch Mischinfektionen von Bakterien oder sogenannte atypische Erreger, insbesondere Chlamydien und Mycoplasmen, können Lungenentzündungen hervorrufen.
Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion. Zigarettenrauch, Luftverschmutzung und kaltes, feuchtes Wetter begünstigen das Auftreten der Krankheiten.
Symptome
Meist beginnen Infektionen im Bereich der Atemwege mit den Zeichen einer Erkältung wie Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Schnupfen oder Halsschmerzen.
Typische Beschwerden der bakteriellen Rachenentzündung (Pharyngitis) sind trockener Husten, Schluckbeschwerden und Fieber. Ein Kratzen oder Brennen im Hals sowie starkes Trockenheitsgefühl im Mund sind zusätzlich unangenehm. Die hintere Rachenschleimhaut ist stark gerötet und angeschwollen. Auf den Seitensträngen sieht man häufig gelb-weißliche, etwa stecknadelkopfgroße Erhebungen ("Stippchen"), die anwachsen und dann zusammenfließende gelbe Beläge bilden können.
Bei einer Bronchitis ist die Bronchialschleimhaut entzündet, ein Hustenreiz ist immer vorhanden. Anfangs besteht ein trockener Husten, später wird weißlich-gelblicher Schleim abgehustet. Das Fieber kann auf 39 Grad Celsius ansteigen und einige Tage anhalten. Ein Anschwellen der Bronchialschleimhaut und vermehrte Schleimbildung können die Luftwege verengen und so zu einer Atembehinderung führen. Beim Ein- oder Ausatmen ist dann ein Pfeifgeräusch zu hören. Brustschmerzen treten selten auf, meistens nur in Verbindung mit heftigem, lang anhaltendem Hustenreiz oder einer Miterkrankung des Rippenfells.
Selten kann aus einer Bronchitis eine Lungenentzündung (Pneumonie) entstehen. Wenn ein starkes Krankheitsgefühl mit einseitigen Brustschmerzen und hohem Fieber länger als 5 Tage anhält, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn dem Auswurf Blut beigemengt ist, muss ein Arzt nach den Ursachen dafür suchen. Die klassische bakterielle Lungenentzündung beginnt plötzlich mit Schüttelfrost, hohem Fieber, Atemnot, atemabhängigen Schmerzen in der Brust und Husten. Der Husten ist dabei anfangs trocken. Nach einer Weile wird Schleim abgehustet, der gelb, grün oder rostfarben ist. Atypische Erreger verursachen in manchen Fällen einen etwas veränderten Verlauf mit einem langsamen Beginn, niedrigem Fieber und nur spärlichem Auswurf. Bei einer schweren Lungenentzündung beschleunigt sich die Atmung (Tachypnoe) und Luftnot kann sich entwickeln. Lippen und Fingernägel nehmen als Anzeichen für den Sauerstoffmangel dabei eine bläuliche Farbe an (Zyanose).
Diagnose
Der Arzt erkennt bakterielle Infektionen im Bereich der Atemwege an ihren typischen Symptomen im Patientengespräch und bei der körperlichen Untersuchung. Beim Blick in den Rachenraum erkennt er die Rötung und den Eiterbelag einer Rachenentzündung.
Beim Abhorchen der Lunge mit dem Stethoskop hört der Arzt die bei einer Lungenentzündung typischen Rasselgeräusche. Der Grad der Erkrankung kann durch Röntgenbilder der Lunge und durch Blutuntersuchungen beurteilt werden. Mit Hilfe der Lungenfunktionsprüfung kann eine gleichzeitig vorhandene Verengung der Bronchien festgestellt werden. Bakteriologische Untersuchungen von Blut und Schleim geben Hinweise auf den Krankheitserreger und die einzuleitende Behandlung.
Infektionen HNO-Bereich
Ursachen
Mittelohrentzündung (Otitis media)
Das Mittelohr ist ein mit Schleimhaut ausgekleideter, luftgefüllter Hohlraum, der zwischen Trommelfell und Innenohr liegt. Ein Luftkanal zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum, die sogenannte Ohrtrompete, sorgt im Normalfall dafür, dass der Druckausgleich im Mittelohr stattfinden kann. Häufige Ursache einer Mittelohrentzündung ist eine über die Ohrtrompete fortgeleitete Infektion aus dem Nasen- und Nasenrachenbereich. Durch eine Schleimhautschwellung in der Ohrtrompete wird diese verschlossen und die Erreger können sich im nun abgeschlossenen Mittelohr vermehren. Die häufigsten Ursachen dafür sind bei Kindern vergrößerte und chronisch entzündete Rachenmandeln (Adenoide) sowie chronische Infekte der oberen Luftwege.
Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
Die Nasennebenhöhlen sind mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume im Schädelknochen, die über kleine Gänge mit der Nasenhöhle in Verbindung stehen. Zu den Nasennebenhöhlen gehören die beiden Kieferhöhlen im Wangenknochen (Sinus maxillares), die Stirnhöhlen (Sinus frontales), Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales) und Keilbeinzellen (Sinus sphenoidales). Wenn Krankheitserreger über den Nasengang in die Nasennebenhöhlen gelangen, können schmerzhafte Infektionen der Schleimhäute entstehen (Sinusitis). Nasennebenhöhlenentzündungen kommen gehäuft im Zusammenhang mit Infektionen der oberen Atemwege vor. Eine Behinderung der Nasenatmung aufgrund vergrößerter Nasenmuscheln oder einer verschobenen Nasenscheidewand macht besonders anfällig für eine solche Erkrankung. Auch Allergiker leiden vermehrt darunter.
Symptome
Mittelohrentzündung
Wenn das Mittelohr von der Infektion betroffen ist, stehen stechende Schmerzen und ein Druckgefühl im Ohr im Vordergrund der Beschwerden. Kopfschmerzen sowie ein vermindertes Hörvermögen treten oft begleitend auf. Wenn das Trommelfell dem Druck des Eiters nachgibt und einreißt, kommt es zu gelblichem Ausfluss aus dem Ohr. Dieser kann zunächst leicht blutig sein und unbehandelt über eine Woche andauern. Die Trommelfellverletzung heilt unter der Antibiotikatherapie meist von selbst binnen zwei Wochen ab.
Eine unbehandelte Mittelohrentzündung kann Komplikationen nach sich ziehen:
- Schädigung des Innenohres durch Übertritt von Bakteriengiften (Toxinen) mit Hörverschlechterung
- Entzündung des Innenohres und Gleichgewichtsorganes (Labyrinthitis) mit Hörverschlechterung, heftigem Drehschwindel und Ohrgeräuschen (Tinnitus)
- Entzündungen der angrenzenden Hohlräume im Felsenbein (Mastoiditis) mit druckschmerzhafter Rötung und Schwellung hinter dem Ohr und abstehender Ohrmuschel
- In seltenen Fällen auch Auftreten einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder einer Gesichtsnervenlähmung (Fazialislähmung)
- Durch häufige Mittelohrentzündungen entstehen Vernarbungen, die zu einer dauerhaften Hörminderung führen können. Dadurch wiederum kann es bei Kindern zu einer verlangsamten sprachlichen Entwicklung kommen.
- Unbehandelt kann die akute Mittelohrentzündung in eine chronische Mittelohrentzündung mit einem bleibenden Loch im Trommelfell übergehen.
Sinusitis
Hauptsymptome bei Infektionen der Nasennebenhöhlen sind Druck- und Klopfschmerz über der betroffenen Höhle. Ist die Stirnhöhle entzündet, kann es zu anhaltenden Stirnkopfschmerzen kommen. Charakteristischerweise verstärkt sich der Schmerz bei heftigem Kopfschütteln und Vornüberbeugen. Das Nasensekret färbt sich gelblich, auch an der Rachenhinterwand sind gelbe Eiterstraßen zu erkennen. Wenn die Kieferhöhle betroffen ist, schwillt oft zusätzlich das Unterlid an. Begleitend bestehen häufig, aber nicht zwingend, allgemeine Krankheitszeichen wie leichtes Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen.
Komplikationen der unbehandelten Sinusitis sind:
- Fortgeleitete Infektionen des Rachens, des Mittelohres, der Bronchien und der Lunge
- Mitinfektion der Augenhöhle (Orbitalphlegmone)
- Übertritt der Infektion auf die Hirnhäute (rhinogene Meningitis)
- Zystenbildung in der Nebenhöhle mit Sekretstau (Mukozele)
Diagnose
Um eine Mittelohrinfektion zu erkennen, untersucht der Arzt den Gehörgang mit Hilfe eines Otoskops (Ohrtrichter mit Lichtquelle und Lupe), einer Spiegeluntersuchung (Stirnreflektor und Ohrtrichter) oder einer Ohrmikroskopie. Bei einer Infektion erscheint das Trommelfell gerötet und vorgewölbt.
Falls Mittelohrentzündungen immer wieder auftreten, sollten die zugrunde liegenden Ursachen gefunden werden (vergrößerte Rachenmandeln, chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Funktionsstörungen der Ohrtrompete). Weitere Untersuchungen können dann daran anschließen.
Der Verdacht auf eine Nasennebenhöhlenentzündung ergibt sich aus dem typischen Beschwerdebild. Die Untersuchung der Nase mit dem Nasenspekulum oder einem speziellen optischen Instrument (Nasenendoskop) bestätigt dann die Diagnose. Bei unkompliziertem Verlauf sind keine weiteren Untersuchungen notwendig. Bei lang anhaltenden oder immer wiederkehrenden Entzündungen werden Ultraschalluntersuchungen durchgeführt und Röntgenaufnahmen oder ein Computertomogramm des Schädels angefertigt. Auf den Bildern sind Ausmaß, Komplikationen und Ursachen chronischer Entzündungen gut zu erkennen.
Therapie
Wenn eine bakterielle Infektion vorliegt, werden vom Arzt Antibiotika als wichtigste Maßnahme verschrieben. Sie bremsen die Vermehrung der Krankheitserreger oder töten sie ab. Damit wird der körpereigenen Immunabwehr in ihrem Kampf gegen die Bakterien bestmöglich geholfen. Es steht ein breite Palette verschiedener antibiotischer Medikamente gegen nahezu jedes Bakterium zur Verfügung.
Für eine sichere und erfolgreiche Antibiotikatherapie ist vor allem folgende Regel zu beachten:
Nehmen Sie Antibiotika nie ohne ärztliche Verordnung ein, auch dann nicht, wenn Sie noch eine angebrochene Packung in Ihrer Hausapotheke haben.
Antibiotika sind hochwirksame Arzneimittel, die gegen Infektionen eingesetzt werden. Kein Antibiotikum ist gegen alle Krankheitserreger wirksam. Nur der Arzt kann beurteilen, welche Erreger für Ihre Krankheit verantwortlich sind. Daher sind diese Arzneimittel auch rezeptpflichtig.
Setzen Sie nie eigenmächtig ein Antibiotikum vorzeitig ab, auch dann nicht, wenn Ihre Beschwerden bereits abgeklungen sind.
Die verschriebene Behandlungsdauer ist unbedingt einzuhalten. Meist lassen die Beschwerden schon einige Tage nach Therapiebeginn nach. Das bedeutet aber nicht, dass schon alle Keime abgetötet sind. Wird das Antibiotikum jetzt abgesetzt, besteht die Gefahr eines Rückfalls. Ebenso steigt das Risiko der Resistenzbildung.
Auch für Kinder, ältere Menschen und Schwangere gibt es Medikamente, die sicher angewendet werden können. Bei ihnen sind aber unter Umständen besondere Präparate notwendig und die Dosis muss individuell angepasst werden. Auch für Patienten mit Vorerkrankungen, speziell der Nieren, der Leber oder des Herzens, sind manche Antibiotika ungeeignet. Fragen Sie auf jeden Fall Ihren Arzt.
Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen sind nur in wenigen Sonderfällen nötig. Dazu gehört eine Prophylaxe bei AIDS-Patienten, einigen Herzerkrankungen oder vor Operationen.
Infektionen der Atemwege und im HNO-Bereich
Neben Antibiotika stehen weitere Medikamente unterstützend zur Verfügung.
Bei drohenden Komplikationen einer Mittelohrentzündung kommt eine Punktion des Trommelfells (Parazentese) in Frage, um die Flüssigkeit aus dem Mittelohr abzusaugen. Dadurch werden auch die Schmerzen vermindert und das Hörvermögen verbessert. Bei wiederholten Entzündungen wird ein kleines Röhrchen (Paukenröhrchen) ins Trommelfell eingesetzt, um die Belüftung des Mittelohres zu ermöglichen.
Wenn Entzündungen der Nasennebenhöhlen immer wieder auftreten, sollte der Grund dafür ausfindig gemacht werden. Unter Umständen ist dann die operative Verbesserung der Nasenatmung oder eine Vergrößerung der Ausführungsgänge der Höhlen erforderlich. Falls Nasenpolypen als Ursache festgestellt werden, sollten diese entfernt werden.
Bei Infektionen im Atemwegs- und HNO-Bereich gilt allgemein: Körperliche Schonung ist sehr wichtig; wer Fieber hat, sollte im Bett bleiben!
Trinken Sie viel (warme Getränke, keinen Alkohol!), denn durch Fieber und Schleimproduktion geht Flüssigkeit verloren. Oft ist es angenehm, die Atemwege durch wiederholte Inhalationen (z. B. mit Kamillenöl) zu befeuchten. Eine Reizung der Atemwege durch verrauchte Luft, Auspuffgase, kalte Luft oder körperliche Anstrengung sollten Sie vermeiden.
Bei schweren Lungenentzündungen, die sich in Erhöhung der Atemfrequenz und durch Kreislaufprobleme äußern, ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig.
Prognose
Bakterielle Infektionen im HNO-Bereich gehen unter antibiotischer Behandlung nach spätestens zehn Tagen vorüber. Unbehandelt besteht ein Risiko der Chronifizierung (Beschwerden länger als 2 Monate) oder Ausbreitung der Infektion. Dadurch gefährden sind vor allem Patienten mit Vorerkrankungen, Raucher sowie sehr junge und alte Menschen.
Hinweis: Dieser Text dient zu Ihrer allgemeinen Information. Bitte stellen Sie keinesfalls selbst eine Diagnose, sondern suchen Sie, wenn Sie Fragen oder Beschwerden haben, einen Arzt auf. Nur er kann die Symptome aufgrund seiner klinischen Erfahrung richtig einschätzen und gegebenenfalls weitere diagnostische Schritte unternehmen.




