Untermenü des Bereichs PatientenTherapiegebiete:
Rheumatologie / Übersicht
Rheuma
Chronische Polyarthritis (cP) / Rheumatoide Arthritis (RA)
Die chronische Polyarthritis oder rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Systemerkrankung, deren Hauptmerkmal eine Gelenksentzündung ist. Das Krankheitsspektrum reicht von einer entzündlichen Gelenksschwellung bis hin zur Zerstörung der betroffenen Gelenke. In Österreich sind 0,5 bis 1 % der Bevölkerung von chronischer Polyarthritis betroffen.
Für die Entstehung der chronischen Polyarthritis werden verschiedene Faktoren verantwortlich gemacht - wissenschaftlich genau geklärt sind sie allerdings noch nicht. Nach heutigem Wissensstand gilt die chronische Polyarthritis als Autoimmunerkrankung. Die Zellen des Immunsystems richten sich nicht wie üblich nur gegen körperfremde Stoffe, sondern greifen Zellen des eigenen Körpers an.
Die chronische Polyarthritis ist durch eine chronische Entzündung der Gelenksinnenhaut gekennzeichnet und tritt meist in Schüben auf. Hauptsymptome sind Schmerzen, entzündete, geschwollene Gelenke und Morgensteifigkeit. In späteren Stadien kommt es zu Gelenksfehlstellungen und -deformierungen.
Ursachen
Als ein möglicher Auslöser der chronischen Polyarthritis wird eine Infektion gesehen. Dies ist jedoch nicht eindeutig bewiesen. Genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse spielen eine wichtige Rolle für den Verlauf der Krankheit und das Ausmaß des Entzündungsprozesses. Durch bisher noch nicht bekannte Faktoren kommt es zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems bei der Bildung von Botenstoffen (Zytokine), die eine Entzündung der Gelenksinnenhaut (Synovitis) hervorruft. Die Einwanderung von Abwehrzellen und Vermehrung von bindegewebebildenden Zellen verursacht eine Verdickung der Gelenksinnenhaut. So entsteht der "Pannus", ein tumorähnliches Gewebe, das den Knorpel überwuchert und zerstört.
Im Rahmen der chronischen Polyarthritis kommt es auch zur Bildung von Autoantikörpern, von denen die Rheumafaktoren die bekanntesten sind. Das Auftreten eines Rheumafaktors ist jedoch für die chronische Polyarthritis nicht spezifisch und kann auch bei Patienten mit einer Reihe von anderen Erkrankungen auftreten. Andererseits ist nicht bei allen Patienten ein Rheumafaktor nachweisbar. Weniger bekannt, aber für die Diagnose auch relevant ist der ACPA – Antikörper.
Obwohl die chronische Polyarthritis in jedem Alter auftreten kann, erkranken die meisten Menschen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr daran. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer.
Symptome
- Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit und leichte Temperaturerhöhung
- morgendliche Steifigkeit der Gelenke
- symmetrisch auftretende Gelenksschwellungen, zu Beginn oft in den Fingergrund- und Fingermittelgelenken
- Auftreten von Rheumaknoten: Derbe Knötchen unter der Haut, oft an der Streckseite der Ellbogengelenke
Im Laufe der Erkrankung kann es zum Auftreten von Gelenksergüssen kommen. Da es sich bei der chronischen Polyarthritis um eine Systemerkrankung handelt, ist sowohl ein entzündlicher Befall innerer Organe (z.B. Herz, Lunge) als auch eine Entzündung der Gefäße (Vaskulitis) möglich. Mit fortschreitender Gelenkszerstörung kann die Krankheit durch Gelenksversteifungen und Gelenksdeformationen zur Invalidität führen.
Diagnose
Die Diagnosefindung der chronischen Polyarthritis beruht auf dem Nachweis entzündlicher Gelenksschwellungen durch einen Facharzt. In weiterer Folge werden Röntgen und Laboruntersuchungen zur Diagnosesicherung eingesetzt:
- Im Röntgen können dabei für die chronische Polyarthritis typische Veränderungen, wie z. B. eine gelenksnahe Osteoporose oder Erosionen (Defekte im Bereich der Knorpel-Knochengrenze) nachgewiesen werden.
- Die Blutwerte zeigen oft eine Entzündung mit einer erhöhten Blutsenkungsgeschwindigkeit und einem erhöhten C-reaktiven Protein (CRP). Bei 85 % der Patienten werden im Serum Rheumafaktoren gefunden.
Um die Diagnose chronische Polyarthritis mit Sicherheit stellen zu können, gibt es seit 2010 neue Diagnosekriterien, die EULAR / ACR-Klassifikationskriterien ersetzen die Klassifikationskriterien von 1987. Die neuen Kriterien sind entwickelt worden, um Patienten mit frischen, entzündlichen Arthritiden möglichst früh zu identifizieren und schnell einer Therapie zuzuführen.
Die 2010 ACR / EULAR Kriterien zur Klassifikation der rheumatoiden Arthritis erzeugen einen Punktewert zwischen 0 und 10. Jeder Patient mit einem Punktewert von 6 oder mehr wird eindeutig als RA-Patient klassifiziert. Vier Bereiche werden bei der Befundung abgedeckt:
- die Gelenkbeteiligung (je nach Art und Zahl der betroffenen Gelenke bis zu 5 Punkte)
- serologische Parameter (neben den Rheumafaktoren nun auch ACPA – je nach Antikörper-Titerhöhe bis zu 3 Punkte),
- die Akutphasereaktion (1 Punkt für erhöhte ESR- oder CRP-Werte)
- die Dauer der Arthritis (1 Punkt für Beschwerden, die sechs Wochen oder länger bestehen)
Morbus Bechterew
Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) ist eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung, die hauptsächlich die Wirbelsäule betrifft. In Mitteleuropa leiden Schätzungen zufolge 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung an der bislang unheilbaren Krankheit - in Österreich sind es etwa 50.000 Menschen. Die meisten Patienten sind beim Ausbruch der Krankheit etwa 20 bis 45 Jahre alt. Es ist bis heute weitgehend ungeklärt, welcher Mechanismus die Krankheit auslöst. Tatsache ist, dass Morbus Bechterew familiär gehäuft auftritt.
Bleibt die Krankheit unbehandelt, versteift die Wirbelsäule zunehmend. Typisch ist der Nachtschmerz in Form eines tiefsitzenden Rückenschmerzes, der nicht durch Ruhe, sondern erst durch Bewegung gelindert werden kann. Neben der Wirbelsäule sind oft auch periphere Gelenke (Hüfte) und Organe (wie Auge, Darm, Herz oder Lunge) betroffen. Im fortgeschrittenen Stadium breiten sich die Schmerzen bis zur Halswirbelsäule aus.
Morbus Bechterew verläuft schubweise, akute Phasen wechseln mit beschwerdefreien ab. Im Spätstadium können Verknöcherungen zwischen den Wirbelkörpern entstehen - bis hin zur kompletten Versteifung der Wirbelsäule, was in der Praxis allerdings sehr selten vorkommt. Häufiger entwickeln vor allem unbehandelte Patienten eine typische Körperhaltung: Die Lendenwirbelsäule verliert ihre natürliche geschwungene Form, wird gerade, die Brustwirbelsäule krümmt sich, es entsteht ein Buckel.
Juvenile idiopathische Arthritis
Die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) ist die häufigste rheumatische Erkrankung bei Kindern. Pro Jahr erkrankt etwa eines von 10.000 Kindern neu an JIA. Mädchen sind insgesamt häufiger betroffen als Jungen.
Eine Gelenksentzündung (Arthritis) wird als JIA bezeichnet, wenn sie mindestens sechs Wochen anhält und die Entzündung nicht die Folge einer anderen Erkrankung ist. Außerdem muss der Erkrankungsbeginn vor dem 16. Lebensjahr liegen.
Die eigentliche Ursache ist unbekannt, jedoch begünstigen bestimmte Faktoren den Ausbruch der Krankheit. Sicher ist, dass es sich auch bei der JIA um eine sogenannte Autoimmunkrankheit handelt.
Die Symptome sind unter anderem Rötung, Schwellung, Überwärmung und schmerzhafte Funktionseinschränkung des betroffenen Gelenks. Typisch sind Morgenschmerz, Morgensteifigkeit und Schonhaltungen.
Bei juveniler idiopathischer Arthritis handelt es sich um eine Erkrankung, die die betroffenen Kinder bis ins Erwachsenenalter begleiten kann.
Psoriasis Arthritis
Psoriasis Arthritis ist eine chronische, progressive entzündliche Autoimmunerkrankung, die Gelenke, Faszien, Bänder und Sehnen sowie die Haut betreffen kann. Die Häufigkeit dieser Erkrankung, die meist zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr erstmals auftritt, liegt weltweit betrachtet zwischen 0,05 und 0,24 %.
Charakterisiert ist die Psoriasis Arthritis durch das - meist gemeinsame - Auftreten von geschwollenen und druckschmerzhaften Gelenken sowie von Hautveränderungen im Sinne einer Schuppenflechte. Bei drei Viertel der Patienten geht die Hautsymptomatik dem Gelenksbefall Jahre voraus. Bis zu 30 % der Psoriasis-Patienten entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung auch eine Psoriasis Arthritis.
Dennoch ist die Psoriasis Arthritis als eigenständiges Erkrankungsbild zu betrachten. Eine frühzeitige Diagnose ist für die Prognose und den Erhalt der Funktionalität der Gelenke essenziell.
Hinweis: Dieser Text dient zu Ihrer allgemeinen Information. Bitte stellen Sie keinesfalls selbst eine Diagnose, sondern suchen Sie, wenn Sie Fragen oder Beschwerden haben, einen Arzt auf. Nur er kann die Symptome aufgrund seiner klinischen Erfahrung richtig einschätzen und gegebenenfalls weitere diagnostische Schritte unternehmen.




