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Worauf muss ich bei komplementären Maßnahmen achten?

Als ich angefangen habe mich als Brustkrebs-Aktivistin und Bloggerin zu engagieren habe ich schnell gemerkt, dass es insbesondere zu einem Thema großen Aufklärungsbedarf gibt. Und zwar zur Unterscheidung von Komplementär- und Alternativmedizin. Diese beiden Begriffe werden häufig synonym verwendet. 

Mein Name ist Claudia Altman-Pospischek. Ich bin Journalistin, Brustkrebs-Aktivistin und blogge unter Claudias Cancer Challenge. 2013 habe ich die Diagnose Brustkrebs mit Metastasen in Leber und Knochen bekommen. Mittlerweile sind auch noch Bauchfellmetastasen dazugekommen. Ich gelte als unheilbar, aber ich lebe mit meiner Erkrankung.

Lisa Wiedermann
Viele glauben, alternative und komplementäre Maßnahmen sind das Gleiche, sind sie aber nicht. Es gibt sehr viele unterschiedliche Ansätze. Daher ist die Unterscheidung der Begriffe „komplementär“ und „alternativ“ sehr wichtig. Mein Name ist Lisa Wiedermann. Ich bin seit 30 Jahren diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester. Ich habe mich als Breast Care Nurse spezialisiert, das bedeutet: ich betreue als Pflegeexpertin Patientinnen und Patienten des zertifizierten Brustgesundheitszentrums. Komplementäre Maßnahmen sind immer nur eine Ergänzung zur nachweisbar wirksamen medizinischen Therapie und eben niemals eine Alternative.

Rupert Bartsch 
Alternativ würde bedeuten, dass etwas anstatt der vorgeschlagenen medizinischen Therapie gemacht wird, und davor würde ich ganz klar abraten. Auch für die Recherche im Internet ist es wichtig den Unterschied zu kennen. Mein Name ist Rupert Bartsch ich bin medizinische Onkologe and der Medizinischen Universität Wien, AKH Wien und darf dort seit vielen Jahren in erster Linie Patientinnen mit Brustkrebs behandeln. 

Lisa Wiedermann
Es ist auch wichtig zu wissen, dass für den Großteil der komplementären Maßnahmen nur wenige wissenschaftliche Daten existieren. 

Rupert Bartsch
Es fehlt somit die Evidenz und damit der Nachweis der Wirksamkeit aber auch der Sicherheit einer bestimmten Maßnahme.

Claudia Altman-Pospischek
Es sind ganz unterschiedliche Gründe warum Krebspatientinnen und Krebspatienten komplementäre Maßnahmen in Erwägung ziehen. Die Betroffenen möchten aktiv werden und selbst zum Therapieerfolg etwas beitragen. Und es tut einfach gut, sein eigenes Wohlbefinden zu stärken.

Rupert Bartsch
Betroffene versuchen also auch damit gezielt therapiebedingte Nebenwirkungen bzw. auch tumorbedingte Beschwerden zu lindern. Und oft werden sie auch angewandt, um die Lebensqualität zu verbessern. 

Claudia Altman-Pospischek
Oft kommt im medizinischen Alltag das Gespräch zu kurz deswegen greifen Patientinnen und Patienten manchmal auf zusätzliche Angebote und Maßnahmen zurück. Manche Patientinnen und Patienten hingegen bringen möglicherweise Hoffnungen und Bedürfnisse mit, die von konventionellen Therapien nicht abgedeckt werden können. 

Lisa Wiedermann
Das Bedürfnis des Patienten oder der Patientin nach einer begleitenden Therapie ist zu respektieren und absolut nachvollziehbar, entscheidend ist die Absprache mit dem Behandlungsteam. 

Rupert Bartsch
Bei komplementären Maßnahmen besteht nämlich das Risiko, die eigene Gesundheit bzw. die Wirksamkeit der medizinischen Therapie zu gefährden. Auch komplementäre Substanzen können Wechselwirkungen hervorrufen und so kann es passieren, dass zum Beispiel die Krebstherapie selbst nicht mehr so gut wirkt und die Medikamente zu rasch abgebaut werden durch diese Wechselwirkung. Oder sozusagen zu stark wirkt und damit Nebenwirkungen vermehrt auftreten und wenn also der Abbau verlangsamt wird. Und solche Wechselwirkungen sind prinzipiell nicht nur bei klassischen Medikamenten, sondern auch bei Nahrungsergänzungsmitteln oder Lebensmitteln möglich und auch bei vermeintlich harmlosen pflanzlichen Arzneimitteln wie zum Beispiel Johanniskraut. Ein ehrlicher Umgang mit diesem Thema ist deshalb besonders wichtig und Ihr Behandlungsteam kann nur dann mit Informationen und Wissen unterstützen, wenn es eben auch tatsächlich Bescheid weiß. Komplementäre Maßnahmen können dem Betroffenen subjektiv guttun jedoch rate ich ganz allgemein mit diesem Themenfeld vorsichtig zu sein. 

Lisa Wiedermann
Entscheiden ist alle geplanten komplementären Maßnahmen mit dem medizinischen Fachpersonal zu besprechen, um eventuelle Kontraindikationen oder Wechselwirkungen auszuschließen.