Inhaltsbereich überspringen

Zecken kennt man vor allem wegen FSME und Borreliose. Weniger bekannt ist: Sie übertragen zwar potentiell tödliche Krankheiten – sind aber selbst kleine Überlebenskünstler.

Es ist März, der Frühling lässt noch auf sich warten. Aber Georg Duscher pirscht schon auf der Suche nach Zecken durch die Wiesen. Gefühlte Minusgrade in der Lobau am Stadtrand von Wien, aber der Parasitologe von der Veterinärmedizinischen Universität Wien ist schon auf der Jagd – so wie auch sein liebstes Forschungsobjekt.

„Zecken sind erstaunlich widerspenstig. Sie überleben problemlos einen ganzen Tag bei Temperaturen zwischen minus 4 und minus 13 Grad Celsius.“
Dr. Georg Duscher, Parasitologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Nur ein paar Mal streift er mit seiner weißen Flagge über die Sträucher und das niedrige Gras – und hat zwei Zecken auf dem Laken: den sogenannten gemeinen Holzbock. Er ist eine von zirka 800 Zeckenarten weltweit. In Österreich gibt es 18 Arten; 95 Prozent der heimischen Population entfallen aber auf den gemeinen Holzbock. Im halbhohen Gras und auf Sträuchern bis  zu eineinhalb Metern Höhe wartet er auf seinen Wirt. Duscher: „Dass Zecken von den Bäumen fallen, ist ein weiterverbreiteter Mythos. Wir streifen sie aber bei Waldspaziergängen oder beim Sonnenbaden an der Alten Donau ab.“

Textbeschreibung

Höhere Temperatur, höhere Aktivität

Wenn die Temperaturen steigen, wird die Zecke aktiver. Ab fünf Grad Celsius beginnt sie, nach Opfern Ausschau zu halten. Ihre bevorzugten Wirte sind Mäuse, Igel oder Rehe. Selbst Vögel sind vor ihr nicht sicher.

„Steigt die Temperatur auf 15 bis 20 Grad Celsius, fühlt sie sich besonders wohl. Wird es aber noch heißer, muss sich die Zecke zurück ins kühle Laub begeben und dort mit Wasser volltanken, um sich vor dem Austrocknen zu schützen“, sagt Duscher. Sind Zecken also doch empfindlich? Im Gegenteil. 

Sie überstehen problemlos selbst eisige Winter, gut isoliert durch Laub und Schnee. Und sie sind auch zäh, wenn das Thermometer in die andere Richtung ausschlägt. Selbst in der Waschmaschine sind 40-Grad-Programme kein Problem. Auch unter Wasser können sie bis zu drei Wochen überleben. Und an Land scannen sie die Umgebung mit mehreren Organen nach potentiellen Opfern: Sie erkennen ihre Wirte am Geruch, an der Körperwärme und am Kohlendioxid, das sie ausatmen.

Für die Wirte wäre der Stich der Zecke generell kein Problem. Hätte die Zecke nicht neben all diesen erstaunlichen Fähigkeiten noch eine unangenehme Eigenschaft, die sie für Menschen so gefährlich macht: Zecken können Bakterien und Viren übertragen; weltweit sind 50 Krankheiten dokumentiert, die Zecken an ihre Opfer weitergeben können. Bei uns sind vor allem die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose bekannt. Nach einem Ausflug in die Natur sollte man sich deswegen unbedingt nach Zecken absuchen, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren.

Wird man von einer Zecke trotzdem als Opfer ausgewählt, entfernt man sie am besten mit einer Pinzette oder mit speziellen Zeckenzangen. Damit greift man sie nahe beim Kopf und entfernt sie mit einer leichten Drehbewegung aus der Haut. Das ist die einzige Möglichkeit das Risiko einer Infektion mit Borreliose zu reduzieren, denn dafür existiert (noch) keine Schutzimpfung. Die Übertragung der Bakterien von der Zecke auf den Menschen kann bis zu zwölf Stunden dauern, sagt der Experte Duscher. Genug Zeit also, um die Zecke vorher zu entfernen. Der FSME-Virus hingegen wird ohne Zeitverzögerung von der Zecke auf den Menschen übertragen. Gegen FSME kann man sich aber durch eine Impfung schützen. 

„Wenn man sich an diese Regeln hält, muss man sich den Naturgenuss nicht verderben lassen.“
Priv.Doz. Dr. Georg Duscher, Parasitologe, Veterinärmedizinischen Universität Wien
Georg Duscher ist Parasitologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und ein bekannter Zecken-Experte.
Beim sogenannten „Zeckenflaggen“ macht er Jagd auf die Spinnentiere. Dabei fegt er mit einem Laken er mehrmals über die Wiese und Sträucher. Nach ein paar Mal wischen sind bereits die ersten Zecken auf der Flagge zu finden.
Georg Duscher hat einen sogenannten gemeinen Holzbock gefangen – mit 95 Prozent die häufigste Zeckenart in Österreich.
Es ranken sich immer noch viele Mythen um Zecken. Duscher klärt auf: Dass Zecken aus den Bäumen auf ihre Opfer fallen, ist ein Mythos. Man streift sie aus dem Gras oder Gebüsch ab, wenn man im Wald oder Park spazieren geht.
Viele Menschen wissen auch nicht, dass Zecken extrem widerstandsfähig sind. Sie können sowohl einen 40-Grad-Waschgang in der Waschmaschine überstehen, als auch bei bis zu minus 13 Grad Celsisus überleben.
Hat man eine Zecke am Körper entdeckt, sollte diese möglichst rasch entfernt werden. Da Borreliose erst nach einigen Stunden von der Zecke auf den Menschen übertragen wird, kann man durch das rechtzeitige Entfernen der Zecke einer Infektion mit Borreliose vorbeugen. Um sich vor FSME zu schützen, hilft allerdings nur die sogenannte Zeckenimpfung.

Viele Menschen wissen auch nicht, dass Zecken extrem widerstandsfähig sind. Sie können sowohl einen 40-Grad-Waschgang in der Waschmaschine überstehen, als auch bei bis zu minus 13 Grad Celsisus überleben. 

Hat man eine Zecke am Körper entdeckt, sollte diese möglichst rasch entfernt werden. Da Borreliose erst nach einigen Stunden von der Zecke auf den Menschen übertragen wird, kann man durch das rechtzeitige Entfernen der Zecke einer Infektion mit Borreliose vorbeugen. Um sich vor FSME zu schützen, hilft allerdings nur die sogenannte Zeckenimpfung.

Das Wichtigste Zur Zecke

  • Zecken sitzen nicht auf Bäumen, sondern bevorzugen Plätze mit hohem Gras und Strauchwerk bis 1,50 Meter Höhe.

  • Ab fünf bis sieben Grad Celsius fangen sie an, aktiv zu werden und nach einem Wirt zu suchen.

  • Entdeckt man eine Zecke an seinem Körper, sollte man sie so rasch als möglich mit einer Pinzette oder Zeckenzange nahe an der Haut entfernen – keine Öle oder Nagellacke verwenden!

  • Zecken übertragen eine Reihe von Viren und Bakterien. Am bekanntesten sind FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Borrelien-Bakterien.

  • Vor Borrelien kann man sich nicht schützen, sie können aber mit Antibiotika behandelt werden. Zum Schutz vor FSME gibt es eine Impfung.

Welche Krankheiten können durch Zecken übertragen werden?

In Österreich werden zwei Erkrankungen besonders häufig durch Zecken übertragen: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose – die in Österreich am öftesten vorkommende Form der Borreliose. 

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)1

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch den FSME-Virus ausgelöst. Die Erkrankung kann sich durch grippe-ähnliche Symptomen bis hin zu einer Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des gesamten Zentralnervensystems äußern. Beim Großteil der mit FSME infizierten Personen treten keine Krankheitssymptome auf. Aber bei ca. 33 Prozent der FSME-Infizierten bricht die Krankheit auch tatsächlich aus. Insgesamt sollte man den FSME-Virus nicht unterschätzen, da die Krankheit schwerwiegende Folgen haben kann.

Verlauf

Die Inkubationszeit – also die Dauer vom Zeckenstich bis zum Auftreten der Erkrankung - schwankt zwischen fünf und 28 Tagen und verläuft typischerweise in zwei Phasen.

In der ersten Phase treten grippeähnliche Symptome auf: allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und Fieber. 

Wenige Tage später kommt es nach vorübergehender Besserung zu einem erneuten Fieberschub. Der neuerliche Anstieg des Fiebers markiert den Beginn der zweiten Phase. In der zweiten Phase ist nun auch das zentrale Nervensystem betroffen und kann sich in einer der folgenden schwerwiegenden Erkrankungsformen äußern:

1. Meningitis: Entzündung der Hirnhäute 

2. Meningo-Enzephalitis: Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns 

3. Meningo-Enzephalo-Myelitis: Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns und des Rückenmarks

Typische Symptome der FSME:

  • Erhebliche Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens
  • Hohes Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen (starke Schläfrigkeit, Desorientiertheit, etc.)
  • Lähmungen von Hirnnerven: Das kann sich in Gesichtslähmungen, Hörstörungen, Schluckstörungen und Sprechstörungen äußern.
  • Lähmungen von Armen und Beinen
  • Zittern der Gesichtsmuskeln und der Gliedmaßen

Therapie

Gegen die FSME-Viren gibt es derzeit kein wirksames Medikament. Daher kann die eigentliche Ursache einer FSME-Erkrankung nicht behandelt werden. Man kann lediglich die Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen durch entzündungshemmende Medikamente und Schmerzmittel lindern. Etwa fünf Prozent der Patienten müssen aufgrund eines besonders schwerwiegenden Verlaufs der Erkrankung auf der Intensivstation behandelt werden – etwa bei einer Atemlähmung.

Prognose

Der Erfolg der Genesung  hängt von der Art der FSME-Erkrankung ab:

1. Meningitis: Sie heilt meist ohne Folgen aus.

2. Meningo-Enzephalitis: Patienten mit dieser Form können mehrere Wochen unter Folgen der FSME-Erkrankung leiden. Dazu zählen: verminderte Belastbarkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und emotionale Labilität. Teilweise kann es auch zu vorübergehenden oder dauerhaften Störungen der Sprache, des Hörens und der Gedächtnisleistung kommen, sowie zu Lähmungen.

3. Meningo-Enzephalo-Myelitis: Erkrankte mit dieser FSME-Form haben die schlechtesten Chancen für eine Heilung ohne bleibende Folgen. In einer Studie heilte die Enzephalo-Myelitis nur bei etwa 20 Prozent  der Erkrankten ohne Spätfolgen aus.

FSME-Viren können zu schwerwiegenden Erkrankungen des Zentralnervensystems führen.

Lyme-Borreliose 2,3

Die Lyme-Borreliose ist eine entzündliche Erkrankung, die mehrere Organe betrifft und die von einer speziellen Bakterien-Gattung ausgelöst wird: von den sogenannten „Borrelien“. In Österreich ist die Lyme-Borreliose zudem die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung. 

Die Borrelien wandern aus dem Darm der Zecke in deren Speicheldrüsen und werden durch den Speichel der Zecke in das Blut des Opfers abgesondert. Aufgrund des komplexen Mechanismus werden Borrelien erst nach mehreren Stunden übertragen. Daher ist es wichtig, eine Zecke möglichst schnell zu entfernen. So ist das Risiko geringer, sich mit Borrelien zu infizieren und an einer Borreliose zu erkranken.

Frühstadium

Drei bis 30 Tage nach der Infektion tritt eine kreisrunde Rötung um die Einstichstelle der Zecke auf, die auch wandern kann – die sogenannte „Wanderröte“. Dieses Symptom kann, aber muss nicht auftreten.

Auch ohne Behandlung kann die Rötung in zwei Fällen abklingen:

  • Die Borrelien wurden durch das körpereigene Immunsystem besiegt und die Borreliose konnte ausheilen.
  • Die Borrelien überleben weiter im Körper, ohne eine Entzündungsreaktion hervorzurufen. Das kann ohne Behandlung nach einiger Zeit zu einem Befall verschiedener Organe führen.

Ein weiteres charakteristisches Anzeichen einer Borreliose-Erkrankung sind Lymphozytome. Das sind gerötete knollige Schwellungen an Gelenkbeugen, Brustwarzen oder Ohrmuscheln, die in Verbindung mit einem kürzlich erfolgten Zeckenstich oft auf eine Erkrankung an Borreliose hinweisen.

In 50 Prozent der Fällen tritt keine kreisrunde Rötung der Einstichstelle auf und die Krankheit bricht erst nach Wochen bis Jahren aus. Daher sollte man bei einem kürzlich erfolgten Zeckenstich und folgenden Symptomen eine Erkrankung an Borreliose in Betracht ziehen:

  • Wandernde entzündliche Gelenkserkrankungen, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen
  • Schleimbeutelentzündungen
  • Kopfschmerzen
  • Gesichtslähmung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Doppelt sehen

Spätstadium

Das Spätstadium beziehungsweise die chronische Erkrankungsform der Lyme-Borreliose kann nach unterschiedlich langen Zeitintervallen erfolgen:

In 50 Prozent der Fällen tritt keine kreisrunde Rötung der Einstichstelle auf und die Krankheit bricht erst nach Wochen bis Jahren aus. Daher sollte man bei einem kürzlich erfolgten Zeckenstich und folgenden Symptomen eine Erkrankung an Borreliose in Betracht ziehen:

  • Direkt im Anschluss an das Frühstadium
  • Nach symptomfreien Monaten bis Jahren nach dem Frühstadium
  • Direkt als chronische Lyme-Borreliose, ohne dass der Patient ein Frühstadium durchlaufen hat

Im chronischen Stadium breiten sich die Borrelien im Körper aus und befallen verschiedene Organe. Daher kommt es bei chronischen Lyme-Borreliose zu einer großen Anzahl an unterschiedlichen Symptomen:

  • Chronische Erschöpfung    
  • Konzentrationsschwäche
  • Muskelbeschwerden
  • Nervenschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden

Therapie

Die Lyme-Borreliose lässt sich im Früh- und Spätstadium mit Antibiotika behandeln. Eine Behandlung während des Frühstadiums hat sich dabei als am wirkungsvollsten herausgestellt. 

Eine Impfung gegen Borreliose ist bis jetzt noch nicht verfügbar. Die derzeit verfügbare „Zeckenimpfung“ bietet daher nur Schutz gegen FSME und nicht gegen Borreliose!

Tritt nach einem Zeckenstich eine kreisrunde Rötung um die Einstichstelle auf, ist das ein Hinweis auf eine Borreliose-Infektion.
Eine elektronenmikroskopische Aufnahme von Borrelien: Diese Bakterien lösen die Lyme-Borreliose aus.

Wie kann ich von Zecken übertragenen Erkrankungen vorbeugen?

   

Zeckenstiche vorbeugen: FSME und Borreliose werden durch Zeckenstiche übertragen. Daher beugt man diesen Erkrankungen am besten vor, indem man Zeckenstiche vermeidet.

  • Tragen Sie geschlossene Kleidung mit langen Hosenbeinen und Ärmeln. Der Prof.-Tipp: Die Hosenbeine in die Socken stecken – so bleibt der Zecke der Weg zum Bein verwehrt.
  • Verwenden Sie Mittel, um Insekten abzuweisen!

Zecken suchen: Haben Sie sich in Zeckengebieten aufgehalten, suchen Sie Ihre Haut nach Zecken ab!

Entfernung angesaugter Zecken: Sollten Sie trotz vorbeugender Maßnahmen eine Zecke entdeckt haben, entfernen Sie sie umgehend! Haben Sie keine spezielle Zeckenzange oder Pinzette zur Hand, können Sie auch die Finger verwenden.

Und so geht’s mit Pinzette oder Finger:

FSME-Impfung:

Neben den vorbeugenden Maßnahmen, kann eine FSME-Impfung das Risiko reduzieren, durch einen Zeckenstich an FSME zu erkranken. Bei der Impfung werden abgetötete FSME-Viren in den Körper injiziert, woraufhin das Immunsystem bestimmte Abwehrstoffe (Antikörper) produziert. Diese Antikörper erkennen spezielle Proteine an der Oberfläche des FSME-Virus und binden an diese. Gelangen nach vollständiger Immunisierung FSME-Viren durch einen Zeckenstich in den Körper, erkennt das Immunsystem durch die Antikörper die Eindringlinge. Die FSME-Viren werden vom Immunsystem zerstört. 

1 Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: 19. Januar 2016. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-035l_S1_Fr%C3%BChsommer_Meningoenzephalitis_FSME_2016-06.pdf Letzter Zugriff: 08. Mai 2018
2 Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose. Leitlinien der Deutschen Borreliose-Gesellschaft. Deutsche Borreliose-Gesellschaft e. V.: Dezember 2010. www.borreliose-gesellschaft.de/Texte/Leitlinien.pdf Letzter Zugriff: 08. Mai 2018
3 Kutane Lyme Borreliose. Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: März 2016. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-044l_S2k_Kutane_Lyme_Borreliose_2016-05.pdf Letzter Zugriff: 08. Mai 2018

  

  

PP-PFE-AUT-0476/05.2018