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Jeder kennt das: Einige Krankheiten treten zu bestimmten Jahreszeiten vermehrt auf oder verschlimmern sich. Im Winter erkranken wir  besonders oft an Infektionskrankheiten, wie an einer Erkältung oder auch der „echten“ Grippe (Influenza).

Aber der Mensch wird auch auf anderen Ebenen von den Jahreszeiten beeinflusst. Bei über 50-jährigen Personen scheint der Geburtsmonat in Zusammenhang mit der verbleibenden Lebenserwartung zu stehen: Herbstgeborene (Oktober bis Dezember) haben laut einer Studie statistisch gesehen eine höhere restliche Lebenserwartung als Frühlingskinder (April bis Juni).

Warum es diese jahreszeiten-abhängigen Unterschiede gibt, wollte ein Forscher-Team der University of Cambridge herausfinden. Ihr Hypothese: Die unterschiedlichen Jahreszeiten beeinflussen unsere Gene. Und damit hatten sie Recht. Sie fanden heraus, dass im Winter mehr Gene für die Produktion entzündungsfördernder Substanzen aktiviert sind als im Sommer. Und das hat auch seinen Sinn: Denn diese Substanzen erhöhen die Abwehrbereitschaft des Immunsystems und schützen den Körper vor Eindringlingen wie Bakterien oder Viren. Gerade in der kalten Jahreszeit haben wir das besonders nötig, da zu dieser Zeit besonders viele Faktoren Infektionskrankheiten begünstigen: 

  • Im Winter halten wir uns häufiger in geschlossenen Räumen auf, in denen wir vermehrt Krankheitserregern ausgesetzt sind.
  • Unser Körper produziert in der kalten Jahreszeit weniger Vitamin D, das einen positiven Einfluss auf das Immunsystem hat. Vitamin D wird aber nur produziert, wenn genügend Sonnenstrahlung unsere Haut erreicht. Im Herbst und Winter werden die Tage kürzer und so sind wir in diesen Jahreszeiten weniger Sonne ausgesetzt.  

Bei der Analyse der Genaktivität machten die Forscher eine weitere spannende Entdeckung: Die entzündungsfördernden Gene waren bei Teilnehmern aus europäischen Ländern von Oktober bis Dezember besonders aktiv, dafür im Sommer weniger. In Australien wurde zwar das gleiche Muster einer erhöhten Aktivität dieser speziellen Gene festgestellt, allerdings um 6 Monate verschoben. Das spiegelt den zeitlichen Unterschied der Jahreszeiten wieder, denn Sommer und Winter sind in der nördlichen bzw. südlichen Welthalbkugel um 6 Monate verschoben: In Australien ist Sommer, wenn bei uns Winter ist und umgekehrt.

Diese Gene scheinen aber nicht nur von Sommer und Winter beeinflusst zu sein. Am Äquator – wo es keinen großen Unterschied zwischen den Jahreszeiten gibt – sind diese Gene speziell während der Regenzeit aktiv. Zu dieser Zeit sind die Menschen in diesen Breitengraden vermehrt Krankheitserregern ausgesetzt, da diese das feuchte Wetter lieben.

Die genauen Faktoren, die das spezielle Aktivitätsmuster entzündungsfördernder Gene beeinflussen, sind zwar noch nicht bekannt - aber die Studien-Ergebnisse liefern weitere interessante Einblicke, welchen Einfluss Jahreszeiten auf Erkrankungen haben können.  

PP-PFE-AUT-0552/10.2018 

 

 

 

  

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