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Textbeschreibung: Professor Kolland über gesundes Altern

Interviewerin: Herr Professor Kolland, gleich vorweg vielen herzlichen Dank für diesen Interview Termin. Die Initiative „Get Old“ hat kürzlich eine Umfrage gemacht, eine österreichweite Umfrage, die hat gezeigt, dass sich zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher sehr wohlfühlen in Bezug auf ihr aktuelles Alter. Wie ist das bei Ihnen ganz persönlich?

Prof. Kolland: Also ich bin mit mir persönlich zufrieden, aber vor dem Hintergrund der Forschung, die es gibt, bin ich mit mir nicht zufrieden. Das größte Manko, das es bei mir gibt, ich mach zu wenig Bewegung und das ist eine der drei Säulen, die es im aktiven Alter gibt. Die beiden anderen Dinge sind soziale Beziehungen, dazu gehört auch ehrenamtliche Tätigkeit und das dritte Element ist kognitive Mobilität, beziehungsweise geistige Mobilität.

Interviewerin: Was bedeutet aktives Altern für Sie als Soziologe?

Prof. Kolland: Aktives Altern setzt sozusagen voraus, auf der Seite des Individuums eine Bereitschaft, neugierig zu bleiben. Das ganze Leben hinweg zur Aktivität müssen noch zwei weitere Punkte dazu kommen, nämlich Anerkennung und Autonomie. Also die wichtigste soziale Rolle, die es in der Gesellschaft gibt, ist die Großeltern Rolle, die dem älteren Menschen eine Aufgabe in der Gesellschaft gibt. Darüber hinaus gibt es dann aber sehr viele ungünstige Zuschreibungen. Das massivste Beispiel, das wir dazu haben, ist die Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt.

Interviewerin: Dafür braucht es aber auch entsprechende Bildung oder Schule. Wissen Menschen heute schon genug über das Altern? Könnte es in Zukunft vielleicht sogar ein eigenes Schulfach geben, wo Altern auf dem Stundenplan steht?

Prof. Kolland: Für diesen Prozess sind wir von unserer Natur her nicht ausreichend ausgestattet, es braucht Lernprozesse. Ich denke, dass da mehr notwendig ist. Wir haben ja nicht einmal ein Studium der Gerontologie.

Interviewerin: Was könnte aus ihrer Sicht getan werden, um diesen negativen Einstellungen gegenüber älteren Menschen zu begegnen, oder vielleicht sogar aufzuheben oder ins positive umzuwandeln?

Prof. Kolland: Das wichtigste ist, dass sich das Bild des Alters in der Gesellschaft entscheidend ändern muss, dass Altern nicht etwas Negatives ist. Wenn eine Urgroßmutter mit 95 Jahren Urenkelkinder in der Hand hält und sagt, jetzt weiß ich, warum ich so lange gelebt habe. Das sind für mich Elemente, die wir zeigen müssen, um zu einem anderen Bild des Alterns zu kommen.

Interviewerin: Ich glaube, das ist ein sehr schönes Schlussbild, das in unseren Köpfen sicher lange erhalten bleibt. Vielen Dank für das Gespräch Herr Professor Kolland.

Prof. Kolland: Vielen Dank, Dankeschön.