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Textbeschreibung: Schlaganfall-Patientin Manuela Messmer-Wullen im Gespräch

Ich war auf einer Geschäftsreise im Hotel und in der Nacht habe ich offensichtlich den Schlaganfall bekommen, wurde kurz wach, hatte furchtbares Kopfweh und habe dann das Fenster geöffnet und Wasser getrunken und habe mich dann wieder schlafen gelegt. Am Morgen um 6 Uhr läutet der Wecker und ich springe aus dem Bett heraus und breche direkt neben dem Bett zusammen, weil ich schon nicht mehr stehen konnte, geschweige denn gehen. Ich war schon komplett gelähmt und habe dann in der Not versucht, mich ins Badezimmer zu robben und habe dann dort im Spiegel gesehen, dass mein Gesicht auf der linken Seite schon komplett auch gelähmt war und mir der Speichel aus dem Mund gelaufen ist und konnte auch nur noch lallen. Also ich hatte keine Sprachmöglichkeit mehr, weil auch die Zunge gelähmt war.

Ich war ungefähr sechs Wochen auf der Intensivstation in Hannover und wurde dort teilweise in den Tiefschlaf gelegt, war eben erst nach sechs Wochen transportfähig mit dem Rettungsflieger und bin dann nach Wien überstellt worden, also ich war insgesamt über sechs Monate in Behandlung und anschließend fast sieben Jahre in Therapie.

Ich gehe sehr gerne auf den Berg hinauf, oder gehe an den See hinunter, genieße einfach den Wandel der Natur und freue mich jeden Tag über meine Pflanzen, meine Kräuter, meine Tomaten, meine wunderschönen Feigen. Ich bin froh und glücklich, dass ich hier auf dieser Erde sein darf. Ich habe zwei entzückende Mädchen, damals noch recht klein – sechs und elf Jahre alt – und mit der älteren konnte ich ab und zu Mal telefonieren und mit der jüngsten, das hat recht lange gedauert, dass ich den Kontakt mit ihr aufgenommen habe, weil ich ihr einfach nicht zumuten wollte, dass sie mich in diesem schlechten Zustand sieht. Ich konnte meinen Beruf anschließend nicht mehr ausüben, weil ich einfach kognitiv zu sehr beeinträchtigt war.

Ich habe mich dann dazu entschlossen, Patientenarbeit durchzuführen und bin im Laufe der Zeit die Vorsitzende der Schlaganfallhilfe Österreich geworden, einfach, weil ich weiß, wie es sich als Schlaganfall Betroffene lebt. Mit Hilfe dieser Organisation versuchen wir uns in der Patientenarbeit sehr stark auf die Prävention des Schlaganfalls auch zu konzentrieren. Glücklicherweise gibt es mittlerweile hervorragende Therapien, die eben bei bestimmten Risikofaktoren einzusetzen sind und das ist auch ein Teil unserer Arbeit, darauf aufmerksam zu machen, diese Therapien in Anspruch zu nehmen.

Ich bin sehr dankbar, dass ich in dieser Form mein Leben weiterführen kann, weil es hätte auch anders ausgehen können. Aber ich bin mir dessen vollkommen bewusst und genieße mein Leben und bin froh und dankbar, für jeden Tag, den ich morgens heil aus dem Bett aufstehen kann.