Inhaltsbereich überspringen

Herr Müller ist krank und fühlt sich nicht gut – er leidet unter Fieber, Halsweh und Schluckbeschwerden. Seine Hausärztin diagnostiziert ihm eine eitrige Mandelentzündung und verschreibt ihm Antibiotika. Damit Herr Müller seine Mandelentzündung mit Hilfe der Antibiotika besiegen kann, muss er aber einiges beachten.

68.500 kg

Antibiotika werden pro Jahr in Österreich verbraucht.

Quelle: Umweltbundesamt. Arzneimittelrückstände in der Umwelt. Wien, 2016. Reports, Band 0573.
ISBN: 978-3-99004-386-8

Antibiotika richtig einnehmen – so geht‘s

Herrn Müller, der unter einer eitrigen Mandelentzündung mit Fieber leidet, wird von der Hausärztin ein Antibiotikum verschrieben. Sie erklärt ihm, was er bei der Einnahme alles beachten muss.
Zuerst ist es wichtig abzuklären, ob die Krankheit durch Bakterien oder Viren verursacht wird. Denn Antibiotika helfen nur bei durch Bakterien hervorgerufenen Erkrankungen.
Pflanzliche Arzneimittel, Aluminiumpräparate gegen Sodbrennen und Milch können die Wirkung von Antibiotika beeinträchtigen. Alkohol oder Orangensaft hingegen können die Antibiotika-Konzentration im Körper anheben und so das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Auch die Wirksamkeit der Antibabypille kann durch Antibiotika beeinträchtig werden.
Um einen Rückfall der Krankheit zu vermeiden, müssen immer alle verschriebenen Antibiotika-Tabletten eingenommen werden. Wenn Herr Müller unter Nebenwirkungen, wie Durchfall oder Übelkeit, leidet, sollte er die Therapie nicht einfach abbrechen, sondern am besten seine Hausärztin aufsuchen.
Herr Müller darf die restlichen Antibiotika nicht aufheben. Er darf sie auch nicht an Frau Müller oder ihren Sohn weitergeben. Denn vor allem Kinder unter 12 Jahren dürfen bestimmte Antibiotika überhaupt nicht einnehmen.
Nach Beendigung seiner Antibiotikatherapie geht es Herrn Müller wieder besser und er und Frau Müller wissen nun, was sie bei der Antibiotika-Einnahme beachten müssen.

Hygienischer Küssen mit Penicillin-Lippenstift?

   

Dr. Sylvia Nanz, Medical Director bei Pfizer Österreich, erzählt, wie drastisch sich die Lebensumstände seit Entdeckung der Antibiotika verändert haben und warum Antibiotikaresistenzen heutzutage ein großes Problem darstellen. 

   

Wie muss man sich die Welt vor Entdeckung der Antibiotika vorstellen?

Dr. Sylvia Nanz: Bevor Alexander Fleming 1928 das Antibiotikum Penicillin (wieder-)entdeckte – eine erste Beschreibung stammt vom Chirurgen Theodor Billroth in Wien im Jahr 1874 - starben Menschen oft schon an Kleinigkeiten. So konnte eine kleine Verletzung, die sich entzündete, zum Tode führen - gar nicht zu reden von damals weit verbreiteten Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Syphilis. Auch Geburten stellten vor Entdeckung der Antibiotika ein lebensbedrohliches Risiko für Mutter und Kind dar, sodass der Tod durch Kindbettfieber leider keine Seltenheit war. Ende des 19. Jahrhunderts verstarb noch jedes fünfte Kind, also 20 %, im ersten Lebensjahr. 100 Jahre später liegt die Säuglingssterblichkeit bei unter 5 von 1000 Neugeborenen, also unter 0,5%. Die Entdeckung von Antibiotika hat hier eine wichtige Rolle gespielt. 

Sie haben schon Alexander Fleming erwähnt. Wie kam es, dass er Penicillin entdeckte?

Dr. Sylvia Nanz: Die Entdeckung von Penicillin war letztlich ein Zufall: Der schottische Mediziner Alexander Fleming bemerkte, dass ein Schimmelpilz, der in seine Bakterienkulturen geraten war, eine wachstumshemmende Wirkung auf Bakterien hatte. Das interessierte ihn als Forscher natürlich brennend und so führte er weitere Experimente zu diesem Phänomen durch, was schließlich zu der Entdeckung von Penicillin führte.

Das heißt, Antibiotika werden von Schimmelpilzen produziert?

Dr. Sylvia Nanz: Antibiotika sind zunächst natürlich vorkommende Stoffe in Pilzen oder Bakterien, die diese produzieren, um sich selbst vor anderen Mikroorganismen zu schützen: diese Stoffe hemmen das Wachstum der Mikroorganismen oder töten sie ab. Heutzutage verfügen wir aber auch über zahlreiche synthetisch hergestellte Antibiotika, die so nicht in der Natur vorkommen.

Wie ging es nach der Entdeckung von Penicillin weiter? Das musste doch eine große Erleichterung für viele Menschen bedeuten?

Dr. Sylvia Nanz: Das Problem war, dass Penicillin anfänglich noch nicht in großen Mengen hergestellt werden konnte. Während des zweiten Weltkrieges war es zunächst Soldaten und der Wissenschaft vorbehalten. Denken Sie nur an den berühmten „Dritten Mann“, in dem der Protagonist einen blühenden Schwarzmarkthandel mit Penicillin betreibt, da es zu dieser Zeit für die Zivilbevölkerung kaum verfügbar war. Mitte der 1940er Jahre konnte Pfizer maßgeblich dazu beitragen, Penicillin für die breite Bevölkerung zur Verfügung zu stellen, indem es ein Verfahren zur Massenproduktion von Penicillin entwickelte. Nachdem in den 1950ern kein Mangel an Antibiotika mehr herrschte, begannen die Leute es als neues Wundermittel bei fast allen Krankheitsbildern und sogar vorbeugend einzusetzen. In England kam sogar ein Penicillin-Lippenstift auf den Markt, der ein hygienischeres Küssen versprach. 

Und was waren die Folgen dieses maßlosen Antibiotika-Einsatzes?

Dr. Sylvia Nanz: Die unbedachte und breite Anwendung von Antibiotika auch bei harmlosen Erkrankungen führte zunehmend zu Antibiotikaresistenzen  -  das heißt Bakterien wurden gegenüber dem Antibiotikum unempfindlich. Leider werden auch noch heutzutage Antibiotika teils zu leichtfertig eingesetzt und so sind in manchen Bereichen Resistenzen zu einem ernsthaften Problem geworden. Doch die Anwendung bei Menschen stellt nur einen Aspekt bei der Entwicklung von Resistenzen dar: Antibiotika werden in großen Mengen in der Massentierhaltung verwendet, um dem Ausbruch von Krankheiten vorzubeugen. Das sind natürlich ideale Bedingungen für Bakterien, um Resistenzen zu entwickeln. 

Dr. Sylvia Nanz ©maupi/Chris Saupper

Was kann man selbst dafür tun, nicht zu weiteren Resistenzen beizutragen?

Dr. Sylvia Nanz: Antibiotika sollten immer nur genau so genommen werden, wie sie vom Arzt verschrieben wurden. Außerdem müssen Antibiotika immer über die gesamte verordnete Zeitspanne genommen werden und nicht frühzeitig abgesetzt werden, auch wenn man sich schon besser fühlen sollte. Geben Sie auch unter keinen Umständen Ihre Antibiotika an andere Personen weiter! Sollten Sie Antibiotika zu Hause haben, entsorgen Sie sie in der Apotheke, und keinesfalls über den Hausmüll oder das Abwasser.

Wie stark ist Österreich von Antibiotikaresistenzen betroffen?

Dr. Sylvia Nanz: Bis jetzt steht Österreich im internationalen Vergleich gut da, da hierzulande Antibiotika rezeptpflichtig sind und nicht einfach so in der Apotheke erworben werden können. Dadurch kann eine maßvolle und überlegte Anwendung von Antibiotika gewährleistet werden.  Außerdem wird in österreichischen Krankenhäusern das sogenannte Antibiotic Stewardship Program konsequent umgesetzt. Durch dieses Programm wird gezielt Krankenhauspersonal ausgebildet, das dann in den Häusern einen angemessenen Einsatz von Antibiotika gewährleisten soll, um so die Bildung von weiteren Antibiotikaresistenzen auf ein Minimum zu beschränken. Trotzdem benötigen wir dringend neue Antibiotika - laut WHO sind Antibiotikaresistenzen derzeit eine der größten medizinischen Herausforderungen weltweit. Erst im Februar 2017 hat die WHO eine Liste mit zwölf Bakterienfamilien veröffentlicht, die „die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit“ darstellen. Pfizer konnte mit Einführung eines neuen Antibiotikums, das zwei der von der WHO als besonders gefährlich eingestuften Bakterienfamilien direkt adressiert, eine neue Option zur Behandlung von Patienten mit resistenten Keimen zur Verfügung stellen.

Häufig gestellte Fragen zu Antibiotika

Was ist der Unterschied zwischen Bakterien und Viren?

Bakterien sind einzellige Organismen, die überall innerhalb und außerhalb unseres Körpers vorkommen. Die meisten Bakterien sind aber nicht schädlich. Manche davon sind sogar ziemlich hilfreich, so wie etwa der Großteil der Bakterien, die unseren Darm besiedeln. 

Viren sind viel kleiner als Bakterien. Sie können sich außerhalb von Wirtszellen nicht vermehren und dort auch nur kurze Zeit überdauern. Durch ihr Eindringen in gesunde Körperzellen können sie Krankheiten verursachen.

Was ist ein Antibiotikum?

Antibiotika sind Medikamente zur Bekämpfung von Infektionen bei Mensch und Tier. Sie töten Bakterien oder hemmen ihre Vermehrung. Bei Viren wirken Antibiotika allerdings nicht.

Was bedeutet „antibiotikaresistent“?

Sind Bakterien unempfindlich gegenüber der Wirkung von Antibiotika,  werden sie als antibiotikaresistent bezeichnet. Antibiotikaresistenzen entstehen, wenn sich Bakterien so verändern, dass Medikamente, Chemikalien oder andere Stoffe, die zu ihrer Bekämpfung eingesetzt werden, nicht mehr wirken. Die resistenten Bakterien überleben und vermehren sich weiter, bis schließlich ein resistenter Bakterienstamm entsteht, bei dem das Antibiotikum nicht mehr wirkt.

Warum sollte ich über Antibiotikaresistenzen Bescheid wissen?

Antibiotikaresistenzen stellen eines der dringlichsten Gesundheitsprobleme der Welt dar. Sie können aus Krankheiten, die zuvor leicht mit Antibiotika therapierbar waren, gefährliche Krankheiten machen. Antibiotikaresistente Bakterien sind schwierig zu behandeln und können in manchen Fällen zu schweren Behinderungen oder sogar zum Tod führen.

Wie entstehen antibiotikaresistente Bakterien?

Bakterien können auf unterschiedlichen Wegen Resistenzen gegenüber Antibiotika erwerben. So führen diverse Veränderungen der Bakterienzelle dazu, dass Antibiotika ihre Wirkung verlieren: Manche Bakterien haben gelernt, das Antibiotikum aus der Zelle zu pumpen, bevor es seine Wirkung entfalten kann. Wieder andere Bakterien ändern ihre äußere Struktur so ab, dass das Antibiotikum keine Möglichkeit mehr hat, an das Bakterium anzudocken und es abzutöten. 

Quellen:
Antibiotic Resistance Questions and Answers - Centers for Disease Control and Prevention, Zugriff am 06.11.2017
www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/demographie.pdf, Zugriff am 06.11.2017

 

  

PP-PFE-AUT-0409/01.2018