Der Erreger mit dem sperrigen Namen „Respiratorisches Synzytial-Virus“ (RSV) ist ein hochansteckendes, weit verbreitetes und häufig unterschätztes Virus, das eine Infektion der Atemwege verursacht. Die Beschwerden ähneln anfangs häufig einer Erkältung, können sich jedoch zu einer schweren Atemwegserkrankung entwickeln. 1,2,3
in Österreich landen jedes Jahr aufgrund einer RSV-Infektion im Krankenhaus.
Quelle: SARI-Dashboard (www.sari-dashboard.at)
Nahezu jeder Mensch infiziert sich im Laufe des Lebens mindestens einmal mit dem Virus.4 Bei vielen Menschen verläuft eine RSV-Infektion mild und klingt von selbst wieder ab. 5 Bei gesunden Erwachsenen und Kindern verursacht RSV in der Regel keine schweren Erkrankungen.2
Doch es kann auch anders kommen: RSV zählt weltweit zu den häufigsten Auslösern schwerer Atemwegsinfektionen bei Säuglingen und Kleinkindern.6Unter sechs Monaten ist das Risiko für einen schweren Verlauf besonders hoch. 7 Ein erhöhtes Risiko haben Frühgeborene sowie Kinder mit angeborenen Herzfehlern und chronischen Lungenerkrankungen.1
Die Atemwegserkrankung betrifft jedoch nicht nur die Jüngsten. Vor allem ältere Menschen und Personen mit schweren Grunderkrankungen wie Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Herzinsuffizienz können schwer erkranken. Mögliche Folgen sind zum Beispiel Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Atemwege der Lunge) und Lungenentzündung. Bei schweren Verläufen, insbesondere in Risikogruppen, können auch lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.2
RSV ist ein Virus, das die Atemwege befällt und dort Infektionen verursachen kann. In den Atemwegen können durch die Infektion benachbarte Zellen miteinander verschmelzen. Diese Zellverbände werden „Synzytien“ genannt und haben dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) seinen Namen gegeben.
Mithilfe spezieller Eiweiße auf seiner Oberfläche kann das Virus an menschliche Zellen andocken und in diese eindringen.3
RSV ist weit verbreitet und kann Menschen aller Altersgruppen betreffen. Während nahezu alle Kinder bis zum zweiten Geburtstag mindestens einmal erkranken1,4 infizieren sich in Österreich pro Saison auch mehr als 40.000 Menschen ab 60 Jahren.3
Da RSV in Österreich nicht flächendeckend getestet wird, ist von einer Untererfassung diagnostizierter Fälle auszugehen.3 Viele Infektionen bleiben somit unerkannt. Besonders bei älteren Personen wird die Bedeutung dieser Infektion daher häufig unterschätzt.3
RSV tritt saisonal auf. Die RSV-Saison beginnt meist im Herbst und erreicht in den Wintermonaten ihren Höhepunkt. Die meisten Fälle werden von November bis April registriert. Besonders zwischen Mitte Jänner und März kommt es zu Krankenhausaufenthalten aufgrund einer RSV-Infektion. Während der übrigen Monate treten nur vereinzelt Fälle auf.4, 8
Die ersten Beschwerden treten etwa zwei bis acht Tage nach der Ansteckung auf.4 Da die Symptome unspezifisch sind, lässt sich eine RSV-Infektion schwer von einer gewöhnlichen Erkältung oder anderen Atemwegserkrankungen, wie beispielsweise der Grippe, unterscheiden.2 Sie beginnt meist mit Beschwerden der oberen Atemwege und kann sich von dort auf die unteren Atemwege ausbreiten.1
Zuerst treten folgende Symptome auf:
Nach 1 bis 3 Tagen möglich:
Besonders bei Säuglingen kann sich daraus eine Bronchiolitis oder Lungenentzündung entwickeln.11 Darüber hinaus können Reizbarkeit, Atembeschwerden, verminderte Aktivität und Atemschwierigkeiten auftreten.4
Bei Erwachsenen: Gesunde Erwachsene haben meist nur milde Beschwerden im Bereich der oberen Atemwege. Ältere Menschen und Personen mit Herz- oder Lungenvorerkrankungen sowie mit geschwächtem Immunsystem tragen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.2
In der Regel zeigen sich die Symptome nicht alle gleichzeitig, sondern entwickeln sich schrittweise.
Komplikationen: Diese treten vor allem bei Risikogruppen auf. Bei einer RSV-Infektion kann sich eine bestehende Herz-, Lungen- oder neurologische Erkrankung verschlechtern. Diese Personen sowie jene mit geschwächtem Immunsystem tragen zudem ein erhöhtes Risiko, an einer schweren RSV-bedingten Lungenentzündung zu erkranken.11
RSV ist leicht übertragbar. Die Ansteckung kann auf verschiedene Weise erfolgen13:
Infizierte Personen sind meist etwa drei bis acht Tage lang ansteckend.5 Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Ansteckungsfähigkeit jedoch bis zu vier Wochen andauern (auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind).12
Eine spezifische Behandlung für RSV gibt es derzeit nicht. Die Therapie richtet sich daher vor allem nach den Beschwerden. Empfohlen wird ausreichendes Trinken, um einen Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung) zu verhindern. Fiebersenkende oder schmerzlindernde Arzneimittel können nach ärztlicher oder pharmazeutischer Beratung zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden.
Bei schweren Verläufen kann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig sein. Die Patient*innen benötigen dann möglicherweise Infusionen (falls die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit nicht möglich ist) oder Sauerstoff zur Unterstützung der Atmung.4
Hygiene-Maßnahmen schützen vor einer RSV Infektion
Hände regelmäßig und gründlich waschen
Sich nicht ins Gesicht fassen
Engen Kontakt mit kranken Menschen meiden
In die Armbeuge oder in ein Taschentuch husten oder niesen
Oberflächen reinigen und desinfizieren
Im Krankheitsfall zu Hause bleiben
Mehr Info zum Thema Vorbeugung finden Sie hier.
Quellen: